Auf der Spätschicht zeigt eine beatmete Patientin fallende Sauerstoffsättigungswerte. Über dem Thorax hörst du grobe Rasselgeräusche, am Beatmungsgerät steigen die Atemwegsdrücke. Deine Hand greift fast automatisch zum Absaugkatheter. Genau in diesem Moment entscheidet sich, ob du eine indicationsbezogene pflegerische Intervention durchführst oder ein potenziell schädliches Ritual wiederholst.
Der Expertenstandard endotracheales Absaugen verbindet die Qualitätslogik des DNQP mit konkreten Sicherheitsgrenzen für die tägliche Pflegepraxis. Dazu gehören die Prüfung einer tatsächlichen Indikation, ein möglichst niedriger Sog unter 0,25 bar bei Erwachsenen, ein Katheterdurchmesser von weniger als 50 % des Tubusinnenlumens und eine Absaugdauer von 10 bis maximal 15 Sekunden. Diese Grenzwerte werden in deutschsprachigen Fachquellen für intensiv- und beatmungspflichtige Patientinnen und Patienten beschrieben, unter anderem in der deutschsprachigen Übersicht zur endotrachealen Absaugung.
Inhaltsverzeichnis
- Warum endotracheales Absaugen nie Routine sein darf
- Der Expertenstandard und seine nationalen Quellen
- Indikationen und Kontraindikationen im Überblick
- Schritt-für-Schritt-Ablauf eines sicheren Absaugvorgangs
- Offenes oder geschlossenes Absaugen
- Präoxygenierung, Monitoring und Komplikationsmanagement
- Hygiene, AWMF-Vorgaben und Nachweispflicht
- Dokumentation, MDK-Prüfung und interne Audits
- Häufige Fehler in der Praxis
- Quick-Reference für den Stationsalltag
- Mit P1-Medical gut aufgestellt in der Pflege
Warum endotracheales Absaugen nie Routine sein darf
Absaugen kann die Atemwege entlasten, aber jeder Vorgang greift in die Atmung, die Beatmung und die Schleimhaut ein. Wenn du ohne erkennbare Sekretansammlung absaugst, entfernst du nicht nur Sekret. Du kannst auch Schleimhaut reizen, die Oxygenierung unterbrechen und eine vagale Reaktion auslösen.
Im beschriebenen Spätdienst sprechen mehrere Befunde für eine unmittelbare Prüfung: Rasselgeräusche, steigende Atemwegsdrücke und fallende SpO2-Werte können auf Sekret hindeuten, das die Ventilation behindert. Trotzdem ersetzt kein einzelnes Signal die Gesamtbeurteilung. Du kontrollierst Beatmung, Tubuslage, Thoraxbewegung, Auskultation und den klinischen Eindruck der Patientin.
Praktische Regel: Der Katheter ist kein Bestandteil eines festen Zeitplans. Er kommt zum Einsatz, wenn Sekret erkennbar oder hörbar ist und die Atmung beziehungsweise Beatmung beeinträchtigt.
Zu den möglichen Folgen eines unkritischen Absaugens zählen Hypoxämie, Atelektasen, Schleimhauttrauma und Bradykardie durch Vagusreiz. Ein zu langer oder zu starker Sog kann den Gasaustausch zusätzlich verschlechtern. Der deutsche Fachkontext beschreibt deshalb eine Absaugdauer von 10 bis maximal 15 Sekunden und einen Kathetervorschub von höchstens 0,5 bis 1 cm über das distale Tubus- oder Kanülenende. Diese Angaben sind in der aktuellen deutschsprachigen Fachliteratur zur Absaugung nachvollziehbar.
Jede Schicht trägt Verantwortung für die Entscheidung. Der Standard soll den Reflex nicht verbieten, sondern durch eine begründete, beobachtbare Handlung ersetzen. Dokumentierst du Indikation, Durchführung und Reaktion der Patientin, wird aus einer spontanen Maßnahme ein überprüfbarer Pflegeprozess.
Der Expertenstandard und seine nationalen Quellen
Der Begriff Expertenstandard beschreibt im DNQP-Kontext kein einzelnes Handgriffschema. Er ordnet Pflegequalität in eine nachvollziehbare Struktur ein. Im Zentrum stehen eine Standardaussage, ihre fachliche Begründung sowie Kriterien für die notwendigen Rahmenbedingungen, den Ablauf und das Ergebnis.
So funktioniert die DNQP-Logik
Die Standardaussage beschreibt den gewünschten Zustand der Versorgung. Die Begründung erklärt, weshalb diese Zielsetzung fachlich sinnvoll ist. Strukturkriterien betreffen zum Beispiel qualifiziertes Personal, geeignete Materialien und eine gültige SOP. Prozesskriterien zeigen, ob die Pflegefachkraft die Handlung korrekt vorbereitet, durchführt und dokumentiert. Ergebniskriterien machen sichtbar, ob die Patientin oder der Patient die Maßnahme sicher vertragen hat.

Der DNQP-Expertenstandard ist kein Gesetz. In Deutschland dient er jedoch als strukturierte fachliche Referenz für Pflegequalität und wird in Einrichtungen mit den Anforderungen aus SGB XI und SGB V, den Hygienevorgaben sowie den jeweils geltenden Leitlinien verknüpft. Die öffentlich dokumentierte DNQP-Übersicht zeigt außerdem, dass Expertenstandards regelmäßig aktualisiert werden, beispielsweise mit einer 2. Aktualisierung 2017 und 116 Seiten Material und Literaturstudie. Die Einordnung der DNQP-Expertenstandards findest du ergänzend im Beitrag Was sind Expertenstandards.
Inhaltlich greifen nationale Quellen ineinander. Dazu gehören deutschsprachige Empfehlungen zur tracheobronchialen Absaugung, Hygieneempfehlungen von KRINKO und RKI sowie Vorgaben aus Anästhesie, Intensivmedizin und Beatmung. Für Einrichtungen entsteht daraus die Pflicht, die fachlichen Aussagen in eine stationsbezogene SOP zu überführen, Zuständigkeiten zu definieren und die Umsetzung zu evaluieren.
Compliance bleibt dabei nicht abstrakt. Du kannst prüfen, ob Indikationen dokumentiert sind, ob der Katheter passend gewählt wurde, ob die Sogstärke kontrolliert wurde und ob die Patientinnen und Patienten die Maßnahme ohne relevante Komplikation vertragen haben.
Indikationen und Kontraindikationen im Überblick
Die Entscheidung beginnt immer mit der Frage: Welcher konkrete Befund rechtfertigt das Absaugen jetzt? Im deutschsprachigen Fachkontext gilt endotracheales Absaugen als bedarfsorientierte Maßnahme, nicht als Handlung in festen Intervallen. Mögliche Indikationen müssen zur individuellen Situation passen.
| Kriterium | Indikation | Kontraindikation / Vorsicht |
|---|---|---|
| Sekret | Sichtbares oder hörbares Sekret, das die Atmung behindert | Kein erkennbares Sekret |
| Beatmungsdruck | Anstieg des Atemwegsdrucks mit passendem klinischem Befund | Druckanstieg ohne Sekretbefund, zunächst Beatmung und Tubus prüfen |
| Oxygenierung | Abfall der SpO2 im Zusammenhang mit vermutetem Sekret | Ungeklärter Sättigungsabfall, zuerst umfassend beurteilen |
| Husten | Patientin oder Patient kann Sekret nicht effektiv abhusten | Effektiver Husten, keine relevante Sekretretention |
| Atemweg | Hinweise auf eine Verlegung des Tubus oder der Trachealkanüle | Mechanische Ursache unklar, ärztliche Rücksprache erforderlich |
| Bildgebung | Radiologische Hinweise, die zu einer Sekretretention passen | Radiologischer Befund allein ersetzt keine klinische Prüfung |
| Wachheit | Subjektive Atemnotzeichen bei wachen Patientinnen und Patienten | Unklare Atemnot, Differenzialdiagnosen beachten |
Eine fehlende Indikation ist die wichtigste Gegenanzeige. Routinemäßiges Absaugen kann die Schleimhaut belasten, ohne einen therapeutischen Nutzen zu bieten. Bei instabilem Hirndruck brauchst du vor der Maßnahme eine individuelle Rücksprache, weil Husten und Druckveränderungen intrakraniell relevant sein können.
Vorsicht ist außerdem bei schwerer Gerinnungsstörung, kurzfristig zurückliegender Lungentransplantation sowie frischen operativen Eingriffen im Atemwegsbereich geboten. Diese Situationen sind keine Einladung zu einem standardisierten Automatismus. Sie verlangen eine dokumentierte Risikoabwägung, eine klare Zuständigkeit und gegebenenfalls eine alternative Strategie.
Die S2k-Leitlinie zum Beatmungsmanagement nennt für den Katheter einen Durchmesser von höchstens der Hälfte des Trachealkanülen-Innendurchmessers und einen Vorschub von etwa 1 cm über die Kanülenspitze. Für Versorgungssituationen mit Trachealkanüle bietet der Leitfaden zum Absaugen bei Beatmung über ein Tracheostoma eine ergänzende praktische Einordnung.
Schritt-für-Schritt-Ablauf eines sicheren Absaugvorgangs
Ein sicherer Ablauf ist keine starre Checkliste ohne klinisches Denken. Er schafft vielmehr eine gemeinsame Sprache für Praxisanleitung, Übergabe, SOP und Audit. Jeder Schritt muss zur Patientensituation passen und anschließend nachvollziehbar sein.
Indikation prüfen: Beurteile Sekret, Atemgeräusche, Atemwegsdruck, SpO2, Hustenleistung und sichtbare Atemnot. Ohne begründeten Befund unterbleibt die Maßnahme.
Händedesinfektion durchführen: Desinfiziere deine Hände vor der Vorbereitung und nach dem Vorgang. So verhinderst du, dass Hände, Material und Atemweg unkontrolliert miteinander in Kontakt kommen.
Patientin oder Patienten informieren: Erkläre den Ablauf verständlich, auch bei eingeschränkter Kommunikation. Bei wachen Menschen reduziert eine klare Erklärung Angst und unkoordinierte Gegenbewegungen.
Präoxygenieren: Erhöhe bei Erwachsenen die FiO2 auf 1,0 für 30 bis 60 Sekunden, sofern die Beatmungssituation das zulässt. Die Präoxygenierung schafft eine Sauerstoffreserve, weil der Katheter den Atemgasfluss während des Vorgangs beeinflusst.
Katheter auswählen: Der Katheterdurchmesser darf maximal 50 % des Tubusinnenlumens betragen. Bei einem 7,5-mm-Tubus wird in der Praxis ungefähr CH 12 bis CH 14 verwendet. Entscheidend bleibt die Einrichtungs-SOP und die konkrete Anatomie, denn ein zu großer Katheter erhöht den Atemwegswiderstand und kann Schleimhaut verletzen.

Sterile Technik vorbereiten: Beim offenen Absaugen verwendest du sterile Handschuhe und einen sterilen Katheter. Prüfe die Funktion des Absauggeräts, stelle den niedrigstmöglichen wirksamen Sog ein und kontrolliere die Verbindung.
Katheter ohne Sog vorschieben: Führe den Katheter ohne aktiven Sog bis zur vorgesehenen Tiefe. Im deutschsprachigen Fachkontext wird ein Vorschub von nur 0,5 bis 1 cm über das distale Tubus- oder Kanülenende beschrieben. Ein tieferes, forcierteres Vorschieben erhöht das Risiko für Husten, Blutung und Schleimhauttrauma.
Sog erst beim Rückzug aktivieren: Der Sog wird beim langsamen Zurückziehen kurz und kontrolliert eingesetzt. So reduzierst du die mechanische Belastung an der Atemwegsspitze.
Dauer begrenzen: Eine Absaugung dauert 10 bis maximal 15 Sekunden. Wird die Patientin hypoxisch, bradykard oder deutlich instabil, brichst du sofort ab, unabhängig von der bereits verstrichenen Zeit.
Nachbereiten und dokumentieren: Spüle das System nach der einrichtungsinternen Vorgabe mit steriler NaCl-0,9-%-Lösung, beurteile Atemgeräusche, Beatmungswerte und klinische Reaktion erneut. Entsorge Einmalmaterial fachgerecht und dokumentiere den Vorgang vollständig.
Eine anschauliche Ergänzung für die Trachealkanülenversorgung bietet der Beitrag Absaugen bei Tracheostoma.
Offenes oder geschlossenes Absaugen
Die Wahl zwischen offenem und geschlossenem System ist keine Glaubensfrage. Sie hängt von Beatmungsstabilität, Infektionsrisiko, Aerosolexposition, Patientenumgebung und der gültigen SOP ab.
Beim offenen Absaugen wird der Beatmungskreislauf diskonnektiert. Du arbeitest mit sterilem Einmalkatheter und sterilen Handschuhen. Das System ist vergleichsweise einfach zu spülen und wird nach dem Vorgang patientenbezogen entsorgt. Der Nachteil liegt in der Unterbrechung der Beatmung und in der möglichen Umgebungsexposition.
Ein geschlossenes Inline-System bleibt am Beatmungskreislauf angeschlossen. Dadurch können PEEP und Ventilation während des Absaugens besser erhalten bleiben, und die Exposition des Personals sowie die Umgebungskontamination können sinken. Bei multiresistenten Erregern werden geschlossene Systeme in deutschen SOPs bevorzugt, um zusätzlichen Personalkontakt und Kontamination zu reduzieren. Die AWMF-Hygieneempfehlung beschreibt geschlossene Systeme ebenfalls als vorteilhaft für Personen- und Umgebungsschutz bei MRE.
| Kriterium | Offenes Absaugen | Geschlossenes Absaugen |
|---|---|---|
| Beatmung | Kreislauf wird diskonnektiert | Kreislauf bleibt verbunden |
| Personalschutz | Schutzmaßnahmen gegen Tröpfchen und Aerosole erforderlich | Exposition kann reduziert werden |
| Sterilität | Steriler Einmalkatheter und sterile Handschuhe | Geschlossenes steriles System nach Hersteller- und SOP-Vorgabe |
| Materialaufwand | Häufig geringerer Materialaufwand | Höhere System- und Schulungsanforderungen möglich |
| Leitlinienlage | Als bedarfsbezogene Option vertretbar | Kein routinemäßiger Standard für alle invasiv beatmeten Erwachsenen |
| Typische Entscheidung | Bei stabiler Beatmung und niedriger Exposition vertretbar | Bei MRE, hoher Aerosolgefährdung oder besonderem Beatmungsschutz erwägen |
Bei invasiv beatmeten Erwachsenen mit voraussichtlicher Beatmungsdauer von mehr als 48 Stunden empfiehlt die aktuelle deutsche S3-Leitlinie Endotrachealtuben oder Trachealkanülen mit subglottischer Absaugung. Einen routinemäßigen Einsatz geschlossener Absaugsysteme empfiehlt sie dagegen nicht, wie die AWMF-S3-Leitlinie zur invasiven Beatmung ausführt.
Die Entscheidungsmatrix sollte deshalb drei Ergebnisse zulassen: geschlossen bei besonderem Infektions- oder Beatmungsschutz, offen bei stabiler Situation und beherrschter steriler SOP, Mischbetrieb bei wechselnden Risiken. Jede Wahl gehört in die Dokumentation.
Präoxygenierung, Monitoring und Komplikationsmanagement
Präoxygenierung gehört vor jeden Absaugvorgang, sofern keine individuelle Beatmungssituation dagegenspricht. Bei Erwachsenen wird die FiO2 auf 1,0 für 30 bis 60 Sekunden erhöht. Bei instabilen Patientinnen und Patienten kann ein kürzeres Zeitfenster erforderlich sein, das du mit dem behandelnden Team und der lokalen SOP abstimmst.
Während des Vorgangs beobachtest du nicht nur den Katheter. Pulsoxymetrie, Herzrhythmus, Blutdruck sowie Atemwegsdruck und Tidalvolumen am Beatmungsgerät liefern dir Hinweise, ob die Patientin den Eingriff toleriert. Bei Kreislaufinstabilität ist eine engmaschige Blutdruckkontrolle besonders wichtig.

Notfallgrenzen
Die folgenden Befunde verlangen einen sofortigen Abbruch und eine Rückmeldung an die behandelnde Person:
- SpO2 unter 90 %: Absaugung beenden, Beatmung wiederherstellen und Ursache des Sättigungsabfalls prüfen.
- Bradykardie unter 50 pro Minute: Katheter entfernen, Sauerstoffversorgung sichern und vagale Reaktion beziehungsweise weitere Ursachen bewerten.
- MAP unter 65 mmHg: Kreislauf stabilisieren und die Maßnahme nicht fortsetzen, solange die Situation ungeklärt ist.
- Neu aufgetretene Arrhythmie: Absaugung stoppen, EKG und Kreislauf beurteilen.
- Massiver Trachealwiderstand: Nicht gegen Widerstand vorschieben. Lage, Knick, Sekretpfropf und Tubusdurchgängigkeit prüfen.
- Sichtbare Blutbeimengung: Vorgang beenden, Blutungsmenge einschätzen und sofort ärztlich informieren.
Hypoxämie behandelst du primär durch das Wiederherstellen einer wirksamen Beatmung und angepasste Sauerstoffzufuhr. Bei Bronchospasmus reduzierst du Reize, sicherst die Beatmung und leitest nach ärztlicher Anordnung die weitere Therapie ein. Eine Atelektase kann durch wiederholte kurze Absaugungen, geeignete Rekrutierungsstrategien und eine ärztliche Beurteilung relevant werden. Schleimhauttrauma verlangt Zurückhaltung, atraumatische Technik und die Abklärung einer Blutung. Sekundärinfektionen beugst du vor allem durch konsequente Händehygiene, sterile Arbeitsweise und korrekte Materialentsorgung vor.
Hygiene, AWMF-Vorgaben und Nachweispflicht
Hygiene ist beim endotrachealen Absaugen kein Zusatz, sondern Bestandteil der fachgerechten Durchführung. Offenes Absaugen erfolgt mit sterilem Katheter und sterilen Handschuhen. Geschlossene Systeme können die Umgebungskontamination und die Exposition des Personals reduzieren, ersetzen aber weder Händedesinfektion noch eine passende Schutzkleidung.
Die deutsche S3-Leitlinie zur invasiven Beatmung empfiehlt keinen routinemäßigen Einsatz geschlossener Absaugsysteme. Die ältere S3-Leitlinie aus 2017 formuliert ebenfalls keinen Standard-Einsatz für alle invasiv beatmeten Patientinnen und Patienten, wie die AWMF-Fassung zur invasiven Beatmung zeigt. Für Einrichtungen bedeutet das: Die Systemwahl muss begründet, in der SOP beschrieben und im Einzelfall nachvollziehbar sein.
Bei aerosolbildenden Tätigkeiten sind die lokal geltenden Vorgaben zur persönlichen Schutzausrüstung einzuhalten. Während der COVID-19-Pandemie empfahl eine deutsche Fachinformation der DGIIN bei invasiv beatmeten COVID-19-Patientinnen und -Patienten geschlossene Absaugsysteme. Offenes Absaugen sollte dort nur bei Alternativlosigkeit und mit FFP2- oder FFP3-Maske, Schutzkittel, Handschuhen und Schutzbrille erfolgen.

Audit-Checkliste für Einrichtungen
- SOP: Ist eine aktuelle, stationsbezogene Verfahrensanweisung verfügbar?
- Händehygiene: Wird die Händedesinfektion vor und nach dem Eingriff eingehalten?
- Sterile Technik: Sind sterile Einmalkatheter und sterile Handschuhe vorhanden?
- Schutzausrüstung: Ist die erforderliche Schutzkleidung bei Aerosolrisiko definiert?
- Systemwechsel: Sind Herstellerangaben und interne Wechselvorgaben für geschlossene Systeme dokumentiert?
- Entsorgung: Werden Katheter und kontaminierte Materialien geschlossen und korrekt entsorgt?
- Dokumentation: Sind Indikation, Sog, Dauer, Sekret und Verträglichkeit prüfbar festgehalten?
Geschlossene Systeme sollen nach deutschen Fachtexten häufig nach 48 Stunden oder nach der einrichtungsinternen SOP gewechselt werden. Maßgeblich bleiben Herstellerangabe, Hygieneplan und die konkrete Risikobewertung. Einen praxisnahen Überblick zur Hygiene im Krankenhaus kannst du für die interne Schulung ergänzend heranziehen.
Dokumentation, MDK-Prüfung und interne Audits
Eine Absaugung ist erst dann vollständig nachvollziehbar, wenn nicht nur der Handgriff, sondern auch die Entscheidung dokumentiert ist. Im Pflegebericht gehören deshalb Uhrzeit, Indikation, Sekretmenge, Sekretfarbe, Konsistenz, Sogstärke, Sauerstoffsättigung vor und nach dem Vorgang sowie die Verträglichkeit zusammen.
Diese Angaben verbinden DNQP-Struktur, Prozess und Ergebnis. Eine Einrichtung kann damit prüfen, ob Material und Personal verfügbar sind, ob die SOP eingehalten wurde und ob die Patientin klinisch von der Maßnahme profitiert hat. Fehlt die Indikation, bleibt auch ein technisch korrekt ausgeführter Vorgang fachlich schwer bewertbar.
Für Qualitätsprüfungen des Medizinischen Dienstes und interne Audits sind neben der Einzeldokumentation auch Verfahrensanweisungen, Schulungsnachweise und Stellenbeschreibungen relevant. Die Pflegedienstleitung sollte zeigen können, wer eingewiesen wurde, welche Kompetenz erwartet wird und wie Abweichungen bearbeitet werden. Eine strukturierte Dokumentation der Pflege unterstützt dabei die einheitliche Umsetzung.
Fünf Schritte für die wöchentliche Stichprobe
- Fälle auswählen: Prüfe eine nachvollziehbare Stichprobe aus unterschiedlichen Schichten.
- Indikation abgleichen: Vergleiche Pflegebericht, Beatmungsdokumentation und klinischen Befund.
- Grenzwerte kontrollieren: Suche nach dokumentierter Sogstärke, Dauer und Katheterwahl.
- Reaktion bewerten: Prüfe SpO2 vor und nach der Maßnahme sowie die Verträglichkeit.
- Lücke schließen: Besprich Abweichungen zeitnah, aktualisiere die Anleitung und dokumentiere die Korrektur.
Häufige Fehler in der Praxis
Fall eins, Absaugen nach Uhrzeit: Auf einer Station wird unabhängig vom Befund alle zwei Stunden abgesaugt. Bei einer Patientin ohne erkennbare Sekretretention führt der wiederholte Reiz zu Schleimhautbelastung und Bradykardien. Korrekt ist die indikationsbezogene Prüfung, nicht der automatische Zeitplan.
Fall zwei, zu hoher Sog: Das Gerät steht bei Erwachsenen auf mehr als 200 mbar. Ein hoher Unterdruck kann Schleimhautläsionen begünstigen und die Atemmechanik ungünstig beeinflussen. In deutschsprachigen Empfehlungen wird bei Erwachsenen ein möglichst niedriger Sog unter 0,25 bar genannt. Die konkrete Einstellung muss an Gerät, Patientensituation und SOP angepasst werden. Grundlage ist die deutschsprachige Fachübersicht zu Sicherheitsgrenzen beim Absaugen.
Fall drei, zu lange Absaugung: Der Katheter bleibt länger als 15 Sekunden im Atemweg. Die Sättigung fällt ab, und es entsteht eine hypoxische Krise. Du begrenzt jeden Vorgang auf 10 bis maximal 15 Sekunden, ziehst den Katheter bei Problemen sofort zurück und stellst die Beatmung wieder her.
Fall vier, Hygienebruch: Ein Einmalkatheter wird wiederverwendet oder die Händedesinfektion zwischen Patientenkontakt und Materialvorbereitung ausgelassen. Damit steigt das Risiko einer Kontamination. Einmalkatheter werden nach Gebrauch entsorgt, sterile Materialien bleiben geschützt, und die Händehygiene erfolgt konsequent nach dem Hygieneplan.
Ein weiterer Fehler ist das zu tiefe Vorschieben. Der Katheter soll nur 0,5 bis 1 cm über das distale Ende von Tubus oder Trachealkanüle hinausreichen. Widerstand, Husten, Blutung oder Bradykardie sind keine Signale zum kräftigeren Weiterschieben, sondern zum Abbruch und zur Neubewertung.
Quick-Reference für den Stationsalltag
Die folgende Kompaktkarte eignet sich als Vorlage für den Absaugwagen. Sie ersetzt keine individuelle Beurteilung und keine lokale SOP, bringt aber die wichtigsten Prüfgrößen in eine schnell erfassbare Reihenfolge.
| Symbol | Prüfgröße | Stationswert oder Regel | Audit |
|---|---|---|---|
| ✅ | Indikation | Nur bei erkennbarem, beeinträchtigendem Sekret oder passendem klinischem Befund | ☐ dokumentiert |
| ✅ | Sog Erwachsene | Möglichst niedrig, unter 0,25 bar beziehungsweise nach lokaler SOP | ☐ eingestellt |
| ✅ | Katheter | Unter 50 % des Tubus- oder Kanüleninnendurchmessers | ☐ passend gewählt |
| ✅ | Vorschub | Nur 0,5 bis 1 cm über das distale Ende | ☐ eingehalten |
| 🕒 | Absaugdauer | 10 bis maximal 15 Sekunden | ☐ dokumentiert |
| 🕒 | Präoxygenierung | FiO2 1,0 für 30 bis 60 Sekunden bei Erwachsenen, sofern verträglich | ☐ durchgeführt |
| ⚠️ | Sicherheitsgrenze | Bei SpO2 unter 90 %, Bradykardie unter 50 pro Minute, MAP unter 65 mmHg, Arrhythmie, massivem Widerstand oder Blutung abbrechen | ☐ Reaktion dokumentiert |
| ✅ | Systemwahl | Offen oder geschlossen nach Indikation, Hygiene- und Beatmungsrisiko | ☐ begründet |
| 🕒 | Geschlossenes System | Wechsel nach Herstellerangabe oder einrichtungsinterner SOP, in deutschen Fachtexten häufig nach 48 Stunden | ☐ Wechsel geprüft |
Die Karte lässt sich laminieren und am Absaugwagen befestigen. Bei der Übergabe kann das Team in kurzer Zeit prüfen, ob Indikation, Grenzwerte, Monitoring und Dokumentation zusammenpassen. Entscheidend ist nicht, möglichst viele Kästchen abzuhaken. Entscheidend ist, dass jede Maßnahme klinisch begründet bleibt.
Mit P1-Medical gut aufgestellt in der Pflege
Sicheres endotracheales Absaugen stärkt nicht nur die Patientensicherheit. Wer Indikation, Hygiene, Beatmungsmonitoring und Dokumentation beherrscht, kann die eigene fachliche Kompetenz im Intensiv- und außerklinischen Bereich klar zeigen.
Personal 1 Personalservice GmbH vermittelt Intensiv- und Beatmungsexpertinnen und -experten in Kliniken sowie in die außerklinische Intensivpflege. Möglich sind direkte Vermittlungen in passende Einrichtungen, Honorarvertretungen für Pflegefachkräfte mit Freude an wechselnden Einsätzen sowie eine Karriereberatung mit Blick auf Beatmung, Hygiene und passende Weiterbildungen.
Wenn du deine fachliche Erfahrung gezielt einsetzen oder als Einrichtung qualifiziertes Personal für beatmete Patientinnen und Patienten gewinnen möchtest, kannst du ein unverbindliches Gespräch anfragen.
Personal 1 Personalservice GmbH begleitet Pflegefachkräfte mit direkter Vermittlung, Arbeitnehmerüberlassung, flexiblen Arbeitsmodellen und fachbezogener Karriereberatung. Besuche die Website und nutze das Kontaktformular, um gemeinsam den nächsten passenden Einsatz im Bereich Intensiv- und Beatmungspflege zu besprechen.


