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Beispiele für Pflegediagnosen: 8 Muster zum Anpassen

Wenn in der Übergabe „unsicher beim Gehen“ steht, aber weder Ursache noch nächster Schritt klar sind, muss das Folgeteam die Situation erst neu zusammensetzen. Es wird erneut beobachtet, nachgefragt und dokumentiert, obwohl die Information eigentlich schon da war. Eine ungenaue Pflegediagnose erschwert die Übergabe, die Evaluation und die nachvollziehbare Pflegeplanung. Gerade im wechselnden Stationsalltag entscheidet die Formulierung darüber, ob Beobachtung, Ziel und Maßnahme fürs Team zusammenpassen.

Diese Beispiele für Pflegediagnosen zeigen dir, wie du häufige Pflegeprobleme nach dem PES-Schema formulierst: mit Problem, Einflussfaktoren und beobachtbaren Merkmalen. Beim PESR-Schema ergänzt du Ressourcen, etwa erhaltene Fähigkeiten, Hilfsmittel oder Unterstützung durch Angehörige. Jedes Muster enthält ein messbares Pflegeziel und konkrete Maßnahmen, die du direkt übernehmen und an die individuelle Situation anpassen kannst.

Eine Pflegediagnose beschreibt nicht die Erkrankung selbst, sondern die pflegerelevante Reaktion oder ein Risiko. Bei einer Pneumonie kann beispielsweise eine beeinträchtigte Atmung im Vordergrund stehen. In Deutschland gehören die Erhebung des individuellen Pflegebedarfs sowie die Steuerung und Evaluation des Pflegeprozesses zu den vorbehaltenen Tätigkeiten von Pflegefachpersonen. Die Diagnose wird deshalb aus dem Assessment abgeleitet, nicht automatisch aus einer ärztlichen Diagnose. § 4 des Pflegeberufegesetzes regelt diese Verantwortung.

Der neue Pflegebedürftigkeitsbegriff, der zum 1. Januar 2017 eingeführt wurde, rückt Selbstständigkeit und Beeinträchtigungen in unterschiedlichen Lebensbereichen stärker in den Mittelpunkt. Für Pflegediagnosen heißt das: Erfasse neben Problemen immer auch die vorhandenen Fähigkeiten und den jeweiligen Alltag. Im Dezember 2023 gab es in Deutschland knapp 5,7 Millionen Pflegebedürftige. Bei dieser Zielgruppe zahlt sich sauberes Formulieren aus.

Nutze die folgenden Muster als Arbeitsgrundlage. Passe Formulierung, Zielwert und Maßnahmen an den einzelnen Menschen an, statt Textbausteine unverändert zu übernehmen.

Inhaltsverzeichnis

1. Akute Schmerzen als Beispiel einer Pflegediagnose

Nach einer Operation sagt eine Patientin, dass die Hüfte bei der Mobilisation schmerzt. Eine Diagnose wie „Schmerz vorhanden“ lässt offen, woran du die Veränderung erkennst und welche Wirkung eine Maßnahme haben soll. Formuliere deshalb Problem, möglichen Einflussfaktor und beobachtbare Merkmale so, dass das Team sie überprüfen kann.

PES-Muster: Akuter Schmerz im Zusammenhang mit postoperativer Wundreizung, nachweisbar durch Schmerzangabe auf der NRS, Schonhaltung und Stöhnen. Als Ressource kann ergänzt werden, dass die Patientin ihre Schmerzen zuverlässig mitteilen und die vereinbarte Schmerzskala nutzen kann.

Pflegeziel: Die Patientin gibt bei der Mobilisation einen Schmerz von höchstens 3 auf der NRS an und nimmt mit Unterstützung an der geplanten Mobilisation teil. Halte fest, wann und in welcher Situation du den Wert erhebst, damit die nächste Einschätzung vergleichbar bleibt.

Maßnahmen und Evaluation

Erfrage die Schmerzen in Ruhe und bei Bewegung, achte auf nonverbale Zeichen und dokumentiere den Wert sowie den Zeitpunkt. Bei einer Schmerzmittelgabe nach ärztlicher Anordnung vergleichst du den Zustand vor der Gabe mit der späteren Einschätzung. Ein sinnvolles Beobachtungsintervall kann, abhängig von Präparat und Applikationsweg, vor sowie 30 bis 60 Minuten nach der Gabe liegen.

Bei Menschen mit Demenz kann eine Selbstauskunft erschwert sein. Nutze dann eine geeignete Beobachtungsskala wie PAINAD und beschreibe zusätzlich konkrete Verhaltensänderungen. Eine erhöhte Unruhe allein beweist noch keinen Schmerz, ist aber ein Anlass für eine gezielte Einschätzung.

Praktische Regel: Dokumentiere nicht nur die Maßnahme, sondern auch die Reaktion darauf. Erst der Vergleich zeigt, ob das Vorgehen angepasst werden muss.

Nach einem Hüftgelenkersatz ist das Ziel „Schmerzen besser“ zu ungenau. Eine überprüfbare Formulierung verbindet den NRS-Wert mit einer konkreten Alltagssituation, etwa dem Transfer oder dem Gehen. So kann das Team beurteilen, ob die Schmerzintervention die Mobilisation tatsächlich unterstützt.

2. Risiko für Sturz und Risiko für beeinträchtigte Hautintegrität

Präventive Diagnosen beschreiben eine Gefährdung, bevor ein Schaden eingetreten ist. „Risiko für Sturz“ bedeutet deshalb nicht, dass die Person bereits gestürzt ist. „Risiko für beeinträchtigte Hautintegrität“ lenkt den Blick auf Faktoren wie anhaltenden Druck, Scherkräfte und Feuchtigkeit, bevor eine Hautschädigung sichtbar wird.

PES-Muster für Sturzgefährdung: Risiko für Sturz im Zusammenhang mit unsicherem Gang, orthostatischer Symptomatik und sedierender Medikation. Eine Ressource kann die zuverlässige Nutzung des Rollators nach Anleitung sein.

Pflegeziel: Die Patientin nutzt bei jedem Transfer die vereinbarte Gehhilfe und bleibt während des festgelegten Pflegezeitraums sturzfrei. Prüfe die Mobilität erneut, wenn sich der Gesundheitszustand verändert, nach einem Sturz oder nach einer Medikamentenumstellung.

PES-Muster für Hautgefährdung: Risiko für beeinträchtigte Hautintegrität im Zusammenhang mit eingeschränkter Eigenbewegung und Feuchtigkeit. Als Ressource kann die Fähigkeit genannt werden, mit Unterstützung die Lage zu wechseln.

Maßnahmen und Verlaufskontrolle

Bei Sturzgefährdung gehören eine individuelle Einschätzung, eine sichere Umgebung und passende Unterstützung bei Transfers zusammen. Beziehe die betroffene Person und, sofern sinnvoll, Angehörige in die Vereinbarungen ein. Nach einem Sturz oder Beinahe-Sturz dokumentierst du die Umstände strukturiert und leitest daraus eine erneute Einschätzung ab. Der DNQP-Expertenstandard zur Sturzprophylaxe bietet hierfür einen fachlichen Orientierungsrahmen mit systematischer Risikoeinschätzung, individuell begründeten Interventionen und Erfolgskontrolle.

Bei gefährdeter Haut prüfst du besonders Knochenvorsprünge wie Sacrum, Fersen und Hinterkopf. Dokumentiere auffällige Befunde mit Datum, Lokalisation und Größe und bewerte das Risiko nach einer Zustandsänderung neu. In der Intensivpflege kann ein standardisiertes Instrument wie die Braden-Skala die Einschätzung ergänzen; entscheidend ist, dass das Ergebnis in konkrete Maßnahmen übersetzt wird.

Vergleich zweier präventiver Pflegediagnosen bezüglich Sturzrisiko und Hautintegrität sowie deren Risikofaktoren, Assessments und Präventionsmaßnahmen für Pflegekräfte.

Für eine verständliche Übersicht dazu, wie vorbeugende Maßnahmen zusammenhängen, kannst du die Prophylaxen in der Pflege in die Einarbeitung oder Pflegeplanung einbeziehen.

3. Beeinträchtigte körperliche Mobilität

Nach einer Schenkelhalsfraktur kann eine Person zwar zur Mobilisation motiviert sein, aber wegen Schmerzen und Unsicherheit nur kurze Strecken gehen. Die Diagnose sollte diese konkrete Einschränkung benennen, statt pauschal „Mobilität reduziert“ zu dokumentieren.

PES-Muster: Beeinträchtigte körperliche Mobilität im Zusammenhang mit Schmerzen nach einer Operation, nachweisbar durch eingeschränkte Gehstrecke und Schwierigkeiten beim Aufstehen. Als Ressource kann die sichere Nutzung des Rollators mit Anleitung ergänzt werden.

Pflegeziel: Die Patientin steht mit der vereinbarten Unterstützung auf und geht die individuell festgelegte Strecke mit dem Rollator. Dokumentiere die zurückgelegte Strecke, den Unterstützungsbedarf und die Reaktion auf die Mobilisation, damit Fortschritte und Rückschritte erkennbar bleiben.

Mobilisation alltagsnah planen

Lege die Mobilisation nicht als isolierte Übung fest, wenn sie sich sinnvoll in den Alltag integrieren lässt. Der Weg zum Waschbecken, das Anziehen am Bettrand oder der Transfer zum Sessel können passende Gelegenheiten sein. Stimmen die Maßnahmen mit der Patientin ab und berücksichtige Schmerzen, Kreislauf, Belastbarkeit und die vereinbarte Hilfestellung.

Bei längerer Bettlägerigkeit sind auch Positionierung und Hautbeobachtung relevant. Ein Lagerungsplan kann die Versorgung strukturieren, muss aber an Beweglichkeit, Hautzustand, Komfort und individuelle Bedürfnisse angepasst werden. Starre Abläufe ohne erneute Einschätzung können am eigentlichen Bedarf vorbeigehen.

Kleine, sicher erreichte Fortschritte gehören in die Dokumentation. Sie helfen dem Team, die nächste Mobilisation passend zu planen, und machen die vorhandenen Fähigkeiten sichtbar.

Für die Verlaufseinschätzung kannst du ein standardisiertes Instrument wie den Barthel-Index einsetzen, wenn es zum Versorgungsziel passt. Die Einschätzung ersetzt nicht die direkte Beobachtung beim Gehen oder Transfer. Eine praktische Anleitung zur Mobilisation in der Pflege kann ergänzend dabei helfen, den Ablauf im Team einheitlich zu besprechen.

Eine Pflegekraft unterstützt eine ältere Frau beim Gehen mit einer Gehhilfe in einem hellen Flur.

4. Akute Verwirrtheit

Eine ältere Person wirkt nach einer Operation plötzlich unruhig, kann den Aufenthaltsort nicht benennen und verliert im Gespräch rasch den Faden. Für die pflegerische Einschätzung ist entscheidend, ob sich Aufmerksamkeit und Orientierung gegenüber dem individuellen Ausgangszustand verändert haben. Eine Diagnose darf diese Beobachtung nicht mit einer gesicherten medizinischen Ursache gleichsetzen.

PES-Muster: Akute Verwirrtheit im Zusammenhang mit einer möglichen postoperativen Belastung und Schlafmangel, nachweisbar durch zeitliche Desorientierung, wechselnde Aufmerksamkeit und neu aufgetretene Unruhe. Als Ressource kann die Fähigkeit genannt werden, auf ruhige Ansprache zu reagieren.

Pflegeziel: Die Patientin kann im Verlauf der Schicht mit Unterstützung ihre Umgebung besser einordnen und zeigt weniger beobachtbare Unruhe. Halte konkret fest, welche Orientierungsfragen sie beantworten kann und in welchen Situationen sich die Aufmerksamkeit verändert.

Beobachten, vergleichen, weitergeben

Vergleiche das Verhalten mit dem bekannten Ausgangszustand und achte auf Veränderungen im Tagesverlauf. Ein strukturiertes Delir-Screening, etwa mit der CAM, kann die Einschätzung unterstützen. Die Ergebnisse ersetzen nicht die medizinische Abklärung; bei einer plötzlichen Veränderung informierst du frühzeitig den Arzt oder die zuständige Ärztin.

Prüfe im Rahmen deiner pflegerischen Einschätzung auch naheliegende Belastungen wie Schmerzen, Schlafmangel oder Veränderungen der Umgebung. Eine ruhige Ansprache und vertraute Orientierungshilfen können den Alltag erleichtern. Behaupte aber nicht vorschnell, eine einzelne Maßnahme habe die Verwirrtheit verursacht oder beseitigt. Dokumentiere, was du beobachtet und umgesetzt hast und wie die Person darauf reagiert.

Beschreibe zuerst das Verhalten, nicht deine Deutung. „Sucht wiederholt den Ausgang und nennt die Station nicht“ ist für die Übergabe hilfreicher als „ist verwirrt“.

Eine Pflegekraft zeigt einer älteren Patientin, die im Bett liegt, auf die Uhr an der Wand.

Im Pflegeheim kann eine neue Verhaltensänderung nach einem Infekt Anlass für eine erneute Einschätzung sein. Entscheidend ist der Verlauf im Vergleich zum persönlichen Normalzustand und eine zeitnahe Weitergabe relevanter Beobachtungen.

5. Ungleichgewicht der Ernährung

Wenn eine Bewohnerin Mahlzeiten zunehmend stehen lässt und an Gewicht verliert, sollte die Pflegeplanung konkrete Beobachtungen statt einer pauschalen Bezeichnung wie „isst schlecht“ enthalten. Die Diagnose „Ungleichgewicht der Ernährung: weniger als Körperbedarf“ kann das pflegerelevante Problem mit Essverhalten, Gewichtsentwicklung und notwendiger Unterstützung verbinden.

PES-Muster: Ungleichgewicht der Ernährung, weniger als Körperbedarf, im Zusammenhang mit vermindertem Appetit, nachweisbar durch reduzierte Nahrungsaufnahme und Gewichtsverlust. Ergänze als Ressource beispielsweise, dass die Bewohnerin bevorzugte Speisen benennen und selbstständig mit Besteck essen kann.

Pflegeziel: Die Bewohnerin nimmt innerhalb von 14 Tagen mindestens 75 Prozent der angebotenen Hauptmahlzeiten auf und erreicht die individuell vereinbarte Trinkmenge, sofern keine medizinischen Einschränkungen bestehen. Diese Werte sind ein Fallbeispiel für ein überprüfbares Ziel und müssen zur tatsächlichen Situation passen.

Aufnahme und Unterstützung nachvollziehbar erfassen

Vergleiche Gewicht und Essmengen unter möglichst gleichbleibenden Bedingungen. Ein Mahlzeiten- und Trinkprotokoll hilft, Veränderungen sichtbar zu machen; ein Screening-Instrument wie MUST kann die strukturierte Einschätzung ergänzen. Beziehe außerdem Mundstatus, Schluckfähigkeit und den notwendigen Unterstützungsbedarf ein.

Biete Vorlieben und kleinere, häufigere Mahlzeiten an, wenn das zur Situation passt. Bei Schluckproblemen muss die Konsistenz der Speisen fachlich abgestimmt werden. Ein Rückgang der Nahrungsaufnahme trotz angepasster Unterstützung ist Anlass, die Informationssammlung zu wiederholen und den Pflegeplan gemeinsam mit den zuständigen Berufsgruppen anzupassen. Der DNQP-Expertenstandard zum Ernährungsmanagement beschreibt die Bedeutung nachvollziehbarer Kriterien zur Erfolgskontrolle.

Im häuslichen Umfeld können Angehörige Hinweise zu Vorlieben und Gewohnheiten geben, sofern die betroffene Person einverstanden ist. Bei enteraler Ernährung sollte die Pflegeplanung an die individuelle Versorgung und die geltenden fachlichen Vorgaben angepasst sein. Ergänzende Informationen zur Ernährung über eine Nasensonde können die fachliche Abstimmung unterstützen.

6. Wissensdefizit zur Insulintherapie

Die Entlassung mit einem neuen Insulinregime verlangt mehr als eine mündliche Erklärung. Du musst feststellen, ob die Patientin die einzelnen Schritte selbst sicher durchführen kann, welche Fragen offen sind und wo sie praktische Unterstützung braucht.

PES-Muster: Wissensdefizit bezüglich der Insulintherapie im Zusammenhang mit einer neu begonnenen Behandlung, nachweisbar durch Unsicherheit bei der Bedienung des Insulinpens und fehlende Angaben zur vereinbarten Messroutine. Als Ressource kann die Bereitschaft zur Schulung und die Fähigkeit, eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zu nutzen, aufgenommen werden.

Pflegeziel: Die Patientin demonstriert vor der Entlassung die vereinbarten Schritte der Insulinanwendung mit dem Übungspen und erklärt in eigenen Worten, wie sie bei ihrer verordneten Behandlung vorgeht. Ergänze das Ziel um die individuellen Inhalte, die tatsächlich vermittelt werden sollen.

Selbst durchführen lassen

Zeig die Technik nicht nur vor. Lass die Patientin den Ablauf selbst durchführen und beobachte, an welcher Stelle sie Unterstützung benötigt. Nutze einfache Sprache und visuelle Hilfsmittel, greife Missverständnisse direkt auf und überprüfe das Verständnis durch eine erneute Demonstration oder Erklärung mit eigenen Worten.

Dokumentiere, welche Inhalte geübt wurden und welche Schritte noch nicht sicher gelingen. Dazu können je nach individuellem Schulungsbedarf der Umgang mit dem Pen, die vereinbarte Blutzuckermessung und das Vorgehen bei Unsicherheit gehören. Ersetze dabei keine ärztliche Anordnung durch eine eigene Dosierungsempfehlung.

Für den Übergang in die häusliche Versorgung sollte aus der Dokumentation hervorgehen, was die Patientin eigenständig beherrscht und wobei sie noch Unterstützung benötigt. Eine vereinbarte Nachkontrolle durch die zuständigen Versorgungsstellen kann offene Fragen nach der Entlassung auffangen. Die Diagnose wird angepasst, wenn sich der Lernstand verändert oder ein neuer Unterstützungsbedarf sichtbar wird.

Eine Schulung ist erst dann nachvollziehbar, wenn dokumentiert ist, was die Patientin selbst sicher zeigen oder erklären kann.

7. Ineffektive Atemwegsclearance

Nach einer Oberbauchoperation hustet ein Patient nur flach, weil die Bewegung schmerzt. Wenn Sekret dadurch nicht ausreichend abgehustet wird, sollte die Pflegeplanung Atemmuster, Husten und Sekretbeobachtung mit den passenden Maßnahmen verbinden.

PES-Muster: Ineffektive Atemwegsclearance im Zusammenhang mit schmerzbedingt eingeschränktem Husten, nachweisbar durch schwachen Hustenstoß und zähes Sekret. Als Ressource kann die Fähigkeit genannt werden, Atemübungen nach Anleitung durchzuführen.

Pflegeziel: Der Patient kann Sekret mit der vereinbarten Unterstützung abhusten und zeigt während der festgelegten Beobachtungszeit keine Verschlechterung der Atemsituation. Bestimme die Beobachtung anhand des individuellen Zustands und dokumentiere Veränderungen des Atemmusters sowie des Sekrets.

Atmung, Sekret und Reaktion festhalten

Beobachte Atemmuster und Husten und beschreibe Sekretmenge und -farbe, wenn Sekret vorhanden ist. Auskultationsbefunde werden nur von entsprechend qualifizierten Fachpersonen erhoben und im Zusammenhang mit der Situation dokumentiert. Bei einer Verschlechterung oder einem Sättigungsabfall informierst du unverzüglich die zuständige ärztliche Person.

Plane Atemübungen so, dass die Schmerzen berücksichtigt werden. Eine angeordnete Schmerztherapie kann den Zeitpunkt beeinflussen, zu dem der Patient tiefer atmen und effektiver husten kann. Bei Menschen mit eingeschränkter Mobilität können außerdem individuell passende Lagerungswechsel und Mobilisation Teil des Pflegeplans sein.

Auf einer Intensivstation können Lagerung und Absaugung nach ärztlicher Anordnung erforderlich sein. Absaugmaßnahmen richten sich nach dem konkreten Bedarf und den geltenden Standards, nicht allein nach einem starren Zeitplan. Informationen zum Expertenstandard für endotracheales Absaugen können als ergänzende Orientierung für die fachliche Abstimmung dienen.

Die Diagnose bleibt überprüfbar, wenn du die beobachteten Merkmale mit der Wirkung der Maßnahmen vergleichst. Allgemeine Einträge wie „Atemübungen durchgeführt“ zeigen nicht, ob der Patient Sekret besser mobilisieren konnte oder ob eine erneute Einschätzung notwendig ist.

8. Pflegediagnosen als Qualitätsbaustein in Einrichtungen

Wenn im Team Maßnahmen dokumentiert werden, aber die zugrunde liegenden Pflegeprobleme unklar bleiben, ist die nächste Fachkraft auf Vermutungen angewiesen. Einheitlich formulierte Pflegediagnosen erleichtern Übergaben, Einarbeitung und die spätere Bewertung, ob ein Ziel erreicht wurde.

Beginne mit den Diagnosen, die in deinem Bereich regelmäßig eine Rolle spielen. Eine geriatrische Station kann zum Beispiel zuerst Sturzrisiko, Schmerzen und beeinträchtigte Mobilität einheitlich beschreiben. In einer Pflegeeinrichtung können Hautintegrität und Selbstversorgung weitere Schwerpunkte sein. Ein Diagnosekatalog hilft nur, wenn die Pflegefachperson die Auswahl individuell begründet und nicht einfach einen Titel aus der Liste übernimmt.

Gemeinsame Kriterien für das Team

Lege fest, welche Informationen zu jeder Diagnose dokumentiert werden sollen: beobachtbare Merkmale, Einflussfaktoren, Ressourcen, ein messbares Ziel und dazu passende Maßnahmen. Vereinbare außerdem, wann eine erneute Einschätzung erfolgt, etwa nach einem Sturz, einer deutlichen Zustandsänderung oder einer veränderten Unterstützungssituation. Der Pflegeprozess bleibt ein Kreislauf aus Einschätzung, Planung, Durchführung und Evaluation, nicht ein einmaliger Dokumentationsschritt. Die Informationen des Medizinischen Dienstes Bund zu Expertenstandards bieten Orientierung zu systematischer Einschätzung, fachlich begründeten Maßnahmen und Wirksamkeitsprüfung.

Nutze Fallbesprechungen, um unklare Diagnosen zu überprüfen. Wenn eine Maßnahme wiederholt keinen erkennbaren Nutzen zeigt, prüft das Team, ob die Einflussfaktoren richtig eingeschätzt wurden, das Ziel realistisch ist oder die Diagnose angepasst werden muss. So wird Dokumentation zur Grundlage für Entscheidungen statt zu einer Sammlung unverknüpfter Einträge.

P1-Medical unterstützt Fachkräfte und Einrichtungen bei der Besetzung von Pflegeeinsätzen, auch in dokumentationsstarken Arbeitsfeldern. Informationen zum Qualitätsmanagement in der Pflege können Teams dabei unterstützen, gemeinsame Abläufe und Zuständigkeiten zu besprechen.

Die acht Muster-Pflegediagnosen im Überblick

Die Tabelle fasst die acht Muster in vier Spalten zusammen: Diagnosetitel, typische Einflussfaktoren, ein beispielhaftes Pflegeziel und das passende Assessment-Instrument. Lies jede Zeile als Startpunkt, den du an die individuelle Situation der gepflegten Person anpasst.

Pflegediagnose Typische Einflussfaktoren Beispielhaftes Pflegeziel Assessment-Instrument
Akuter Schmerz Operation, Entzündung, Verletzung, Immobilität, unzureichende Analgesie Schmerz innerhalb von 60 Minuten auf NRS ≤ 3 senken Numerische Rating-Skala (NRS), bei Bedarf PAINAD
Risiko für Sturz und Risiko für beeinträchtigte Hautintegrität Gangunsicherheit, Medikamente, Sehstörungen; Immobilität, Inkontinenz, Mangelernährung Kein Sturz; Haut bleibt intakt und ohne Druckstellen Hendrich-II-Sturzrisikomodell oder Tinetti; Braden- oder Norton-Skala
Beeinträchtigte körperliche Mobilität Schmerzen, neurologische Ausfälle, Frakturen, Schwäche, Bewegungsangst Patient führt täglich zwei geplante Mobilisationsschritte aus Barthel-Index
Akute Verwirrtheit Infekt, Dehydratation, Medikamente, Schlafmangel, Schmerzen, Umgebungswechsel Patient ist innerhalb von 24 Stunden zeitlich und örtlich orientiert Confusion Assessment Method (CAM)
Ungleichgewicht der Ernährung: weniger als Körperbedarf Schmerzen, Übelkeit, Demenz, Kauprobleme, psychische Belastung, Schluckstörung Gewicht bleibt innerhalb von vier Wochen stabil MUST oder Mini Nutritional Assessment (MNA)
Wissensdefizit bezüglich der Insulintherapie Neuer Diabetes, Sehbeeinträchtigung, kognitive Einschränkung, fehlende Informationsquellen Patient demonstriert die Injektionstechnik korrekt und beschreibt den Umgang mit Unterzuckerung Strukturierter Praxistest zur Injektionstechnik und zum Wissen
Ineffektive Atemwegsclearance Postoperative Schmerzen, Immobilität, neurologische Einschränkung, zähes Sekret, Rauchen Patient hustet effektiv ab; Sauerstoffsättigung bleibt im Zielbereich Sauerstoffsättigung und Auskultationsbefund
Pflegediagnosen als Qualitätsbaustein in Einrichtungen Fehlende Standards, Schulungsbedarf, begrenzte Personalausstattung Diagnosen, Ziele, Maßnahmen und Evaluation sind im Team nachvollziehbar verknüpft Kein einzelnes Instrument; regelmäßige Re-Evaluation im Team

Zwei Dinge fallen beim Durchlesen auf. Erstens tragen alle Ziele eine prüfbare Bedingung, etwa einen Zeitrahmen, einen Schwellenwert oder eine beobachtbare Handlung, damit das Team in der Evaluation ein klares Ergebnis sieht. Zweitens gehört zu jedem Titel ein benanntes Instrument, mit dem du den Verlauf objektiv misst, statt dich nur auf den klinischen Eindruck zu verlassen. Bei der letzten Zeile liegt der Fokus anders: Hier geht es um die Arbeitsweise des Teams, daher ersetzt die regelmäßige Re-Evaluation das Einzelinstrument.

Vom Muster zur eigenen Pflegeplanung

Übernimm die Muster als Ausgangspunkt, nicht als fertige Diagnose für jede Person mit ähnlichen Beschwerden. Erhebe zuerst, was die betroffene Person selbst berichtet, was du beobachtest und welche Veränderungen im Vergleich zum bisherigen Zustand bestehen. Ergänze Ressourcen und Einflussfaktoren, bevor du ein Pflegeziel und Maßnahmen festlegst. So bleibt die Formulierung nachvollziehbar und auf den individuellen Pflegebedarf bezogen.

Das PES-Schema verbindet das Problem mit Einflussfaktoren und Merkmalen. Mit dem PESR-Schema machst du zusätzlich sichtbar, worauf die Person zurückgreifen kann. Das kann eine vorhandene Fähigkeit, ein Hilfsmittel oder Unterstützung durch Angehörige sein. Gerade bei Präventionsdiagnosen ist wichtig, zwischen einem vorhandenen Problem und einem Risiko zu unterscheiden. Ein Risikotitel allein ersetzt weder das Assessment noch die konkrete Begründung der Maßnahmen.

Formuliere Ziele so, dass das Team überprüfen kann, ob sie erreicht wurden. „Mobilität verbessern“ lässt viele Fragen offen. Eine alltagsnahe Formulierung benennt, welche Handlung die Person unter welchen Bedingungen ausführen soll und woran du den Verlauf erkennst. Wähle dabei nur Kriterien, die zur Situation passen und tatsächlich beobachtet oder erhoben werden können. Bei einer Zustandsänderung passt du Diagnose, Ziel oder Maßnahmen an, statt einen überholten Pflegeplan weiterzuführen.

In der Übergabe helfen präzise Beobachtungen mehr als pauschale Bewertungen. Nenne, was die Person selbst tun kann, wobei sie Unterstützung braucht und wie sie auf die Maßnahme reagiert hat. Bei einer akuten Veränderung, etwa neuer Verwirrtheit oder einer Verschlechterung der Atmung, gib relevante Beobachtungen zeitnah an die zuständige ärztliche Person weiter. Die pflegerische Einschätzung und die medizinische Beurteilung haben unterschiedliche Aufgaben, müssen im Team aber verständlich zusammengeführt werden.

Für Einrichtungen lohnt es sich, mit wenigen häufigen Diagnosen zu beginnen und die Formulierungen gemeinsam zu prüfen. Eine feste Zeit für die Re-Evaluation verhindert, dass Ziele und Maßnahmen ungeprüft fortgeschrieben werden. Nutze standardisierte Instrumente dort, wo sie zur Fragestellung passen, und ergänze sie durch die direkte Beobachtung und die Perspektive der betroffenen Person. Mehr Diagnosetitel allein verbessern die Pflege nicht. Entscheidend ist, dass jede Diagnose aus einer begründeten Einschätzung entsteht und zu einer überprüfbaren Handlung führt.

Wenn du als Fachkraft oder Einrichtung Unterstützung im Pflegealltag suchst, vereinbare bei P1-Medical ein unverbindliches Informationsgespräch. Nach dem ersten Gespräch suchen wir passende Einsätze und schlagen dir konkrete Optionen vor. Deine feste Ansprechperson ist rund um die Uhr erreichbar.


Personal 1 Personalservice GmbH vermittelt Pflegefachkräfte an Kliniken, Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen in ganz Deutschland und unterstützt Teams bei planbarem oder kurzfristigem Personalbedarf. Wenn du deine pflegerische Kompetenz in einem passenden Einsatz einbringen oder Personal für deine Einrichtung finden möchtest, besuche Personal 1 Personalservice GmbH und vereinbare ein unverbindliches Informationsgespräch.