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Lagerung bei Dekubitus: Schritt-für-Schritt-Anleitung

Die Spätschicht ist fast vorbei. Bei der letzten Versorgung stellst du fest, dass sich am Steißbein eine Rötung zeigt, die trotz Entlastung bestehen bleibt. Jetzt zählt nicht, ob im Pflegeplan pauschal „alle zwei Stunden umlagern“ steht. Entscheidend ist, wie die Haut aussieht, wie beweglich die Person ist, welche Position sie toleriert und ob die bisherige Druckentlastung ausreicht.

Genau deshalb braucht Lagerung bei Dekubitus mehr als ein festes Zeitschema. Sie verbindet Hautinspektion, Mobilitätsförderung, passende Positionierung, Hilfsmittel und eine nachvollziehbare Re-Evaluation. In deutschen Pflege- und Kliniksettings wird die Dekubitusprävalenz für die stationäre und ambulante Langzeitpflege in einer systematischen Übersicht mit 2 % bis 5 % angegeben. Für Krankenhäuser werden 2 % bis 4 % ab Kategorie 2 genannt, während ältere Übersichten für Pflegeheime und geriatrische Einrichtungen deutlich höhere Werte von bis zu etwa 30 % beschrieben (Gesundheitsberichterstattung des Bundes).

Inhaltsverzeichnis

Warum korrekte Lagerung bei Dekubitus über den Behandlungserfolg entscheidet

Eine nicht wegdrückbare Rötung ist kein kosmetischer Befund. Sie zeigt, dass das Gewebe an dieser Stelle bereits auf anhaltende Belastung reagiert. Wird der Druck weiter aufrechterhalten, kann sich die Schädigung vertiefen. Deshalb gehört die Hautkontrolle unmittelbar vor und nach jeder relevanten Positionsveränderung zur fachgerechten Lagerung bei Dekubitus.

In der Praxis entscheidet die Positionierung über drei Belastungen: Druckhöhe, Druckdauer und Scherkräfte. Eine Person kann auf einer geeigneten Matratze liegen und trotzdem gefährdet bleiben, wenn sie im Bett nach unten rutscht, auf dem Steißbein aufliegt oder die Ferse dauerhaft Kontakt zur Unterlage hat. Auch ein Transfer mit Ziehen an der Haut kann die Situation verschärfen.

Praktische Regel: Eine Lagerung ist erst dann gelungen, wenn die gefährdete Körperstelle tatsächlich entlastet ist und die Person die Position sicher sowie möglichst schmerzarm toleriert.

Die erste Reaktion bei auffälliger Haut

Bei einer anhaltenden Rötung wird die Stelle nicht massiert und nicht weiter belastet. Du prüfst Hautfarbe, Temperatur, Schmerz, Konsistenz und die genaue Lokalisation. Danach entlastest du den Bereich sofort, informierst die zuständige Pflegefachkraft und passt den Präventions- oder Behandlungsplan an.

Die Lagerung bleibt dabei Teil eines größeren Vorgehens. Hautschutz, Mobilisation, Feuchtigkeitsmanagement, Ernährung und die Auswahl der Unterlage müssen zum individuellen Risiko passen. Eine verständliche Übersicht zu weiteren vorbeugenden Maßnahmen bietet die Zusammenstellung zu Prophylaxen in der Pflege.

Warum der Pflegeprozess hier so wichtig ist

Ältere Fachangaben berichten, dass in häuslicher Umgebung rund 20 % der pflegebedürftigen Menschen von einem Dekubitus betroffen sein können. Auf Grundlage von etwa 2,3 Millionen pflegebedürftigen Personen wurde für das Jahr 2007 eine Größenordnung von rund 550.000 Menschen mit hohem Dekubitusrisiko beschrieben (Deutsches Ärzteblatt zur Pathophysiologie und Primärprävention). Die Angaben sind historisch, verdeutlichen aber, warum konsequente Druckentlastung im Alltag nicht dem Zufall überlassen werden darf.

Was nicht funktioniert, ist ein unveränderter Lagerungsplan trotz neuer Rötung, zunehmender Schmerzen oder nachlassender Eigenbewegung. Was funktioniert, ist ein kurzer Kreislauf aus Befund, Maßnahme, Beobachtung und Anpassung. So bleibt die Pflege am Patienten orientiert, statt nur einen Zeitplan abzuhaken.

Druckentlastung verstehen und die Physiologie hinter der Position

Druck wirkt nicht nur auf der Haut. Liegt ein Knochenvorsprung längere Zeit auf einer Unterlage, werden Gefäße im Gewebe zusammengedrückt. Die lokale Versorgung mit Sauerstoff und Nährstoffen nimmt ab. Je länger die Belastung anhält und je weniger die Person selbst ausweichen kann, desto größer wird das Risiko einer Gewebeschädigung.

Besonders im Blick bleiben Steißbein und Kreuzbein, Fersen, Trochanter, Sitzbeinhöcker und Hinterkopf. Welche Stelle belastet wird, hängt von der Position ab. In Rückenlage gefährdest du vor allem Sakrum, Fersen und Hinterkopf. In Seitenlage rücken Trochanter, Knie, Knöchel und Ohr in den Vordergrund. Beim Sitzen steigt die Druckbelastung im Vergleich zum Liegen deutlich an, deshalb ist Sitzen nicht automatisch gleichbedeutend mit Mobilisierung (deutsche Leitlinienzusammenfassung zur Dekubitusprophylaxe).

Eine Infografik zur Erklärung von Dekubitus, die zeigt, wie Druck die Durchblutung behindert und Gewebeschäden verursacht.

Druck, Reibung und Scherkräfte unterscheiden

Druck entsteht durch das Körpergewicht und die Auflagefläche. Reibung schädigt die oberste Hautschicht, etwa wenn du eine Person über das Bettlaken ziehst. Scherkräfte entstehen, wenn sich Haut und tieferes Gewebe gegeneinander verschieben, beispielsweise beim Herabrutschen im hochgestellten Bett.

Die Konsequenz für die Durchführung ist klar:

  • Hebe statt ziehe: Nutze geeignete Transfer- und Gleitmittel, um Reibung zu verringern.
  • Stütze großflächig: Ein langes Positionierungskissen verteilt Kräfte besser als ein kleines Kissen, das nur punktuell Druck erzeugt.
  • Kontrolliere die Endposition: Prüfe, ob Knochenvorsprünge einander berühren oder ob ein Bein auf dem anderen liegt.

Feuchtigkeit durch Schweiß oder Inkontinenz kann die Haut zusätzlich empfindlicher machen. Ein trockenes, sauberes Mikroklima ersetzt keine Druckentlastung, ergänzt sie aber sinnvoll. Bei Produkten, die nach Operationen Druckstellen vermeiden sollen, können auch Hinweise zur Kompressionsbekleidung nach plastischer Chirurgie hilfreich sein, sofern der konkrete medizinische Kontext dazu passt.

Die folgende Darstellung zeigt die Zusammenhänge zwischen Auflagedruck, beeinträchtigter Mikrozirkulation und Ischämierisiko:

Bewährte Lagerungspositionen Schritt für Schritt umsetzen

Gute Lagerung bei Dekubitus beginnt nicht mit dem Kissen, sondern mit einer kurzen Vorbereitung. Erkläre der Person, was du machst, prüfe Schmerzen und Bewegungsmöglichkeiten und achte auf Zugänge, Drainagen oder Operationsvorgaben. Nach der Positionierung kontrollierst du erneut Haut, Wärme, Schmerz und Stabilität.

30°-Schräglage

Die 30°-Schräglage entlastet Sakrum und Trochanter, wenn sie sauber ausgeführt wird. Du bringst die Person zunächst in Rückenlage und schiebst ein ausreichend großes Kissen oder einen Positionierungskeil vom Schulterbereich bis zur Hüfte unter eine Körperseite. Das Gesäß soll nicht direkt auf dem Kreuzbein aufliegen, sondern leicht zur Gegenseite verlagert werden.

Ein häufiges Problem ist ein zu kleines Kissen. Es stützt dann nur den unteren Rücken, während das Sakrum weiterhin Kontakt zur Matratze hat. Kontrolliere deshalb, ob die Positionierungshilfe wirklich die notwendige Körperfläche erreicht. Der Kopf bleibt neutral, die Atembewegung frei und die Schultern dürfen nicht nach vorne kippen.

135°-Position

Die 135°-Position wird in der Praxis als entlastende Schrägseitenlage genutzt. Das untere Bein liegt möglichst gestreckt, das obere Bein wird angewinkelt und durch ein dickes Kissen zwischen den Knien geführt. Ein weiteres Kissen stabilisiert den Oberkörper, damit die Person nicht auf den Trochanter rollt.

Der Kopf braucht eine passende Unterstützung. Fehlt sie, überstreckt die Person häufig den Nacken oder sinkt mit der Schulter ab. Prüfe außerdem, ob Knöchel, Knie und Knochenvorsprünge frei liegen. Die Position darf nicht nur optisch korrekt aussehen, sie muss die Druckverteilung tatsächlich verbessern.

Fersenfreilagerung

Bei der Fersenfreilagerung liegt ein Kissen oder eine geeignete Fersenfreilagerungshilfe unter dem distalen Unterschenkel. Die Ferse schwebt frei und berührt weder Matratze noch Kissen. Das Knie bleibt leicht gebeugt und darf nicht überstreckt werden.

Besonders bei geröteter oder bereits geschädigter Fersenhaut reicht ein weiches Polster unter der Ferse nicht aus. Die Ferse muss vollständig entlastet werden. Bei akuter Dekubitusgefährdung nennt eine deutsche Leitlinie für sitzende Risikopatienten weniger als zwei Stunden außerhalb des Bettes, bis sich der Gesamtzustand bessert. Das zugrunde liegende HTA-Dokument nennt für sitzende Haltungen sogar bis zu eine Stunde als vorläufige Präventionsplanung unter laufender Befundkontrolle (Evidence-Leitlinie zur Dekubitusprophylaxe).

Position Entlasteter Bereich Typischer Fehler
30°-Schräglage Sakrum, Trochanter, Sitzbeinhöcker Kissen zu kurz oder zu klein
135°-Position Trochanter und seitliche Auflagepunkte Kopf und Oberkörper nicht ausreichend gestützt
Fersenfreilagerung Ferse und Fersenbein Ferse liegt weiterhin auf der Matratze

Nutze bei jedem Wechsel die vorhandene Eigenbewegung. Kinästhetische Prinzipien, wie sie in der Kinästhetik in der Pflege beschrieben werden, helfen dir, Bewegungen anzubahnen und Scherkräfte zu vermeiden. Am Ende der Lagerung gehören Befund und Maßnahme in die Übergabe, damit die nächste Schicht nicht bei null beginnt.

Hilfsmittel gezielt auswählen und kombinieren

Eine Antidekubitusmatratze ist kein Ersatz für Beobachtung und Positionswechsel. Sie verteilt oder reduziert Druck, kann aber eine falsch gelagerte Ferse, ein aufliegendes Sakrum oder eine ungünstige Sitzposition nicht automatisch korrigieren. Die Auswahl muss zum Risiko, zum Körpergewicht, zur Mobilität, zum Schmerzempfinden und zu den Hygieneanforderungen passen.

Weichlagerungsmatratzen

Weichlagerungssysteme vergrößern die Auflagefläche und reduzieren punktuelle Belastungen. Sie eignen sich, wenn eine Person gefährdet ist oder eine erste Druckentlastung benötigt. Bei bestehendem Risiko soll eine druckentlastende Matratze unverzüglich bereitstehen. Eine zu weiche Unterlage kann jedoch Transfers erschweren, die Eigenbewegung bremsen oder ein tiefes Einsinken verursachen.

Wechseldrucksysteme

Wechseldruckmatratzen verändern die Belastung in verschiedenen Luftkammern. Sie können bei hohem Risiko oder bei einer nicht ausreichenden Druckentlastung durch Standardmaßnahmen sinnvoll sein. Das System muss korrekt eingestellt werden. Patientengewicht, Lagerungsziel, Hautbefund und Komfort entscheiden darüber, ob die Unterstützung tatsächlich funktioniert.

Ein Wechseldrucksystem allein reicht nicht bei einer fokalen Gefährdung. Eine Kombination aus Wechseldruckmatratze und lokaler Fersenfreilagerung kann sinnvoll sein, wenn die Ferse besonders gefährdet ist. Bei Schmerzen oder Schlafproblemen musst du prüfen, ob Druckwechsel, Geräusch oder Bewegungen des Systems die Akzeptanz beeinträchtigen.

Mikroglaskugelauflagen

Mikroglaskugelauflagen können die Druckverteilung und Positionierung unterstützen. Sie sind vor allem dann interessant, wenn eine flexible Anpassung an Körperform und Lagerungsziel gebraucht wird. Gleichzeitig erfordern sie eine sichere Anwendung, regelmäßige Hautkontrolle und hygienisch passende Bezüge.

Hilfsmittel Risikostufe nach Braden Indikation Typische Fehler
Weichlagerungsmatratze erhöhtes Risiko Grundlegende Druckverteilung bei eingeschränkter Mobilität Unterlage wird eingesetzt, aber Lagerung nicht angepasst
Wechseldrucksystem hohes Risiko oder unzureichende Entlastung Ergänzende dynamische Druckentlastung Einstellung passt nicht zu Körpergewicht oder Befund
Mikroglaskugelauflage individuell bei erhöhtem Risiko Flexible Positionierung und Druckverteilung Auflage ersetzt keine Hautinspektion

Braden- oder Norton-Werte sind Entscheidungshilfen, keine alleinige Verordnung. Die deutsche Expertenstandardlogik fordert eine Gesamteinschätzung, die Hautzustand, Allgemeinzustand, Mobilität und Komfort einbezieht. Für sichere Transfers und eine rückenschonende Durchführung können ergänzend Inhalte zur Ergonomie in der Pflege herangezogen werden.

Individuelle Umlagerungsintervalle statt starrer 2-Stunden-Regel

Eine schmerzende Person wird nachts nach der Uhr geweckt, während eine neue Rötung unbemerkt bleibt. Genau deshalb reicht die starre 2-Stunden-Regel fachlich nicht aus. Der DNQP-Expertenstandard schreibt keine einheitliche Umlagerungsfrequenz für alle Menschen vor. Maßgeblich sind Hautbefund, Risiko, Allgemeinzustand, Mobilität und Komfort (DNQP-Auszug zum Expertenstandard Dekubitusprophylaxe).

Infografik zur individuellen Lagerung bei Dekubitus, die von starren 2-Stunden-Intervallen abrät und auf Patientenbedürfnisse fokussiert.

So entsteht ein belastbarer Rhythmus

Du beginnst mit einer Risikoeinschätzung und einem Hautbefund, wie in den Assessment Pflege Beispielen beschrieben. Danach prüfst du Eigenbewegung, Schmerzen und die Positionen, die die Person akzeptiert. Aus diesen Informationen ergibt sich der nächste Kontroll- und Umlagerungszeitpunkt.

Ein kürzeres Intervall, beispielsweise 30 Minuten, kann bei auffälliger Haut, hohem Risiko, geringer Positionstoleranz oder beginnender Schädigung erforderlich sein. Bei stabiler Haut, guter Druckverteilung, ausreichender Eigenbewegung und erholsamem Schlaf kann ein längeres Intervall, beispielsweise 3 Stunden, vertretbar sein. Beide Zeiten sind begründete Arbeitswerte, keine pauschalen Vorgaben. Nach jeder Kontrolle wird neu bewertet.

Die Uhr erinnert dich an die Kontrolle. Der Hautbefund entscheidet über die nächste Maßnahme.

Entscheidungsmatrix für den Dienst

Befund Vorgehen Nächster Schritt
Haut unauffällig, Person bewegt sich selbst Bewegung fördern, Position beobachten Intervall an Komfort und Eigenbewegung anpassen
Rötung nach Druckentlastung weiterhin sichtbar Stelle sofort freilagern, Befund dokumentieren Engmaschig kontrollieren und Pflegefachkraft informieren
Zunehmender Schmerz, Wärme, Verhärtung oder offene Haut Druck vollständig entfernen Ärztliche Beurteilung veranlassen und Hilfsmittel eskalieren
Person sitzt mit hohem Risiko Sitzdauer begrenzen, Sitzdruck entlasten Seitliche 30°- bis 40°-Lagerung nach dem Sitzen prüfen

Für das Sitzen nennt eine deutsche Broschüre eine individuell zu ermittelnde maximale Sitzdauer von zwei bis drei Stunden. Nach dem Rollstuhlsitzen wird eine seitliche 30°- bis 40°-Seitenlagerung beschrieben. Der Rollstuhl soll außerdem über Arm- und Fußablagen verfügen (Broschüre des Brüderkrankenhauses Trier).

Ein Eintrag mit Befund, Position, Hilfsmittel, Verträglichkeit und nächster Kontrolle macht die Entscheidung auch für die folgende Schicht nachvollziehbar. Bei offener Wunde, rascher Verschlechterung, auffälliger Überwärmung, stark zunehmenden Schmerzen oder Infektionsverdacht ist unverzüglich fachlich und ärztlich zu eskalieren. Bei Grad 1 gehören sofortige Freilagerung, engmaschigere Wechsel und wiederholte Befundkontrollen dazu, statt den bisherigen Plan unverändert fortzuführen (Ärzteblatt zu Vermeidung und Behandlung von Dekubitus).

Dokumentation und Präventionsplan im Pflegealltag verankern

Dokumentation soll die Versorgung steuern, nicht nur nachträglich rechtfertigen. Ein kurzer, einheitlicher Eintrag macht sichtbar, warum du eine Position gewählt hast, welches Hilfsmittel eingesetzt wurde und wann du die Wirkung überprüfst. Das erleichtert Übergaben und verhindert, dass jede Schicht den Plan neu interpretiert.

Das kompakte Schema für jede relevante Lagerung

Für den Alltag reichen zunächst sechs Pflichtfelder:

  1. Position: Rückenlage, 30°-Schräglage, 135°-Position oder Fersenfreilagerung.
  2. Hilfsmittel: Kissen, Keil, Weichlagerung, Wechseldrucksystem oder lokale Fersenhilfe.
  3. Hautbefund: unauffällig, Rötung, Wärme, Verhärtung, Läsion oder offene Stelle.
  4. Schmerz: Schmerzangabe, beobachtete Reaktion und Veränderung nach der Lagerung.
  5. Akzeptanz: ruhig, unruhig, Schlaf gestört, Position abgelehnt oder gut toleriert.
  6. Uhrzeit und nächste Kontrolle: konkrete Zeit oder auslösendes Ereignis.

So entsteht ein Eintrag, der auch für die Nachtschicht verständlich bleibt. „30° rechts, großes Kissen von Schulter bis Hüfte, Sakrum frei, Haut unauffällig, keine Schmerzen, gut toleriert“ ist deutlich brauchbarer als „gelagert“.

Infografik zeigt einen vierstufigen Plan zur Dokumentation und Prävention von Dekubitus in der Pflege während der Nachtschicht.

Der Präventionsplan als Arbeitsinstrument

Der Plan sollte den Ausgangsbefund und die Reaktion auf Maßnahmen abbilden. Ein praxistaugliches Muster sieht so aus:

Planbestandteil Eintrag
Risiko Braden- oder Norton-Einschätzung plus pflegerische Gesamteinschätzung
Gefährdete Stellen Sakrum, Fersen, Trochanter, Sitzbeinhöcker oder andere Befunde
Beweglichkeit selbstständig, teilunterstützt oder vollständig abhängig
Lagerungslogik Positionen, Hilfsmittel und Auslöser für den Wechsel
Eskalation bei anhaltender Rötung, Schmerz, Wärme, Verhärtung oder Hautöffnung
Re-Evaluation nach Befundänderung und zu festgelegten Kontrollzeitpunkten

Der Braden-Score hilft bei der Strukturierung, ersetzt aber nicht die klinische Beobachtung. Eine Person mit gleichem Score kann je nach Schmerz, Operationsstatus, Schlaf, Ernährung und Eigenbewegung einen anderen Lagerungsbedarf haben.

Für den Medizinischen Dienst ist nachvollziehbar, wenn Pflegeplanung, Übergabezettel und digitale Dokumentation dieselbe Logik verwenden. Nutze daher dieselben Begriffe und ergänze bei Abweichungen eine kurze Begründung. Hinweise zur Dokumentation der Pflege können dabei helfen, den Eintrag übersichtlich und prüfbar aufzubauen.

Praxisbeispiel zum Verlauf bei beginnendem Dekubitus

Frau M. ist 82 Jahre alt und wurde nach einer Hüft-TEP versorgt. Am dritten postoperativen Tag fällt in der Spätschicht über dem Steißbein ein klar begrenztes, nicht wegdrückbares Erythem auf. Die Haut ist intakt, wirkt im Vergleich zur Umgebung überwärmt und Frau M. gibt bei Berührung einen Druckschmerz an.

Die Pflegefachkraft wird sofort informiert. Der Befund wird mit Größe, Farbe, Temperatur und Schmerzangabe dokumentiert. Frau M. wird nicht auf das betroffene Areal zurückgelagert. Die ärztliche Information erfolgt nach dem hausinternen Ablauf, anschließend wird die weitere Druckentlastung angeordnet und im Pflegeplan ergänzt.

Die ersten 24 Stunden

Zunächst wird Frau M. in eine 30°-Schräglage gebracht. Ein langes Positionierungskissen stützt den Rücken bis zur Hüfte, sodass das Sakrum entlastet bleibt. Die Fersen werden zusätzlich freigelagert, weil die Rückenlage nach der Operation eine weitere gefährdete Kontaktstelle darstellt.

Im weiteren Verlauf wird auf ein Wechseldrucksystem gewechselt. Das ersetzt die Lagerungswechsel nicht, reduziert aber die kontinuierliche Belastung der Unterlage. Bei jeder Umlagerung kontrolliert die Pflege die Haut erneut und achtet auf Schmerz, Wärme, Verhärtung und eine mögliche Ausweitung der Rötung.

Die Übergabe an die Nachtschicht bleibt bewusst kurz: „Nicht wegdrückbares Erythem über dem Steißbein, Haut intakt, überwärmt, Druckschmerz vorhanden. 30°-Schräglage, Sakrum frei, Fersen freigelagert, Wechseldrucksystem aktiv. Hautkontrolle bei jedem Wechsel, bei Verschlechterung sofort eskalieren.“ Zusätzlich wird der Verlauf in der SIS festgehalten.

Mobilisation und weiterer Verlauf

Nach 48 Stunden wird Frau M. mit Unterstützung an die Bettkante mobilisiert, sofern Kreislauf, Operationsvorgaben und Schmerz dies zulassen. Die Mobilisation wird nicht als Ersatz für die Druckentlastung verstanden. Sitzdauer und Sitzposition werden individuell beobachtet, anschließend erfolgt eine erneute Kontrolle der gefährdeten Haut.

Nach fünf Tagen ist die Rötung noch nicht vollständig verschwunden. Das wäre auch kein Befund, den man beschönigen sollte. Entscheidend ist, dass sie sich nicht ausgedehnt hat, die Haut intakt bleibt und Frau M. die Positionen zunehmend besser toleriert. Der Plan wird weitergeführt, die Kontrollen bleiben engmaschig, und jede Veränderung löst eine erneute Bewertung aus.

So sieht fachgerechte Lagerung bei Dekubitus im Alltag aus: nicht als automatische Wiederholung eines festen Intervalls, sondern als nachvollziehbare Reaktion auf Befund, Risiko und Patientenwille. Für Pflegekräfte braucht das klare Standards, sichere Einarbeitung und verlässliche Unterstützung im Dienst.


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