Ernährung über Nasensonde: Praxisguide für Pflege

Auf der Station beginnt die Ernährung über Nasensonde oft nicht mit einer grossen Entscheidung, sondern mit einer kleinen Verschlechterung: Ein Patient hustet beim Trinken, eine Patientin nach einem Schlaganfall nimmt kaum noch Nahrung auf, oder die Schluckstörung bleibt nach der Operation bestehen. Im Nachtdienst muss dann trotzdem klar sein, was jetzt sicher ist, wer die Indikation prüft und wie die Versorgung dokumentiert wird.

Eine nasogastrale Sonde kann schnell gelegt und bei kurzfristigem Bedarf unmittelbar genutzt werden. Sicher ist sie aber nur, wenn Indikation, Lagekontrolle, Kostaufbau, Komplikationsbeobachtung und spätere Neubewertung zusammenpassen. Dieser Praxisguide ordnet die Ernährung über Nasensonde für Pflegefachkräfte und medizinische Einrichtungen im deutschen Versorgungskontext ein. Die DGEM-S3-Leitlinie zur heimenteralen und heimparenteralen Ernährung bildet dabei den zentralen Bezugsrahmen. Auch verbindliche Expertenstandards in der Pflege helfen dir, die einzelnen Schritte in bestehende Qualitätsstrukturen einzuordnen.

Inhaltsverzeichnis

Wann eine Ernährung über Nasensonde im Alltag wirklich nötig ist

Es ist kurz nach Mitternacht. Herr K. ist nach einem Schlaganfall wach, aber beim Wassertrinken räuspert er sich wiederholt. Die orale Kost ist bereits angepasst, trotzdem hat er an diesem Tag nur wenige Schlucke geschafft. Im Team steht die Frage im Raum, ob eine nasogastrale Sonde gelegt werden soll. Die richtige Antwort lautet nicht einfach „ja“ oder „nein“. Du brauchst die ärztlich geprüfte Indikation, eine Einschätzung der Schluckfunktion, die erwartete Dauer der unzureichenden oralen Aufnahme und einen Plan für die Reevaluation.

Typische Situationen sind akute oder vorübergehende Schluckstörungen nach einem Schlaganfall, eine postoperative Phase mit vorübergehend eingeschränkter oraler Aufnahme, schwere Allgemeinerkrankungen oder eine onkologische Behandlung, bei der Essen und Trinken zeitweise nicht ausreichend möglich sind. Auch bei älteren Menschen kann die Sonde eine Brücke sein, wenn die orale Ernährung kurzfristig nicht gelingt und ein sicherer Kostaufbau noch nicht möglich ist.

Die DGEM ordnet die nasale Sonde vor allem der kurzfristigen enteralen Ernährung zu. Wenn eine enterale Ernährung nur kurzzeitig benötigt wird, kann sie über eine geeignete nasale Sonde erfolgen. Die Leitlinie konkretisiert diesen Zeitraum mit maximal 6 Wochen, ältere Formulierungen nennen 4 bis maximal 6 Wochen als Orientierung. Die Leitlinie wurde 2019 aktualisiert und 2024 erneut als Supplement veröffentlicht, was ihre Bedeutung für die deutsche Versorgung unterstreicht. Die aktuelle DGEM-Leitlinie beschreibt damit einen klaren Praxisstandard.

Die Sonde als Brücke, nicht als Automatismus

Die Ernährung über Nasensonde kann im Krankenhaus rasch eingesetzt werden. In deutschen Klinikunterlagen wird beschrieben, dass bei einer nasalen Magensonde nach korrekter Anlage und Lagekontrolle unmittelbar mit der Ernährung begonnen werden kann. Gleichzeitig bevorzugen die DGEM-Empfehlungen bei nicht zielgerechter oraler Ernährung grundsätzlich den enteralen Weg und, sofern keine Gegenanzeigen bestehen, den gastralen Zugang gegenüber dem jejunalen Zugang. Details zur praktischen Versorgung beschreibt ein deutscher Leitfaden zur enteralen Ernährung.

Im häuslichen oder pflegerischen Umfeld bleibt die nasogastrale Sonde manchmal länger sichtbar, als ursprünglich geplant. Genau dann darfst du dich nicht an der vorhandenen Versorgung orientieren, sondern musst fragen: Kann die Person wieder ausreichend und sicher oral essen? Wie lange wird die enterale Ernährung voraussichtlich noch benötigt? Ist ein perkutaner Zugang inzwischen angemessener? Diese Fragen gehören frühzeitig in die Übergabe und nicht erst in die Entlassungsplanung.

Indikationen Kontraindikationen und kurzer Zeitrahmen für die Nasensonde

Auf der Station ist die Entscheidung meist dann angezeigt, wenn ein Patient vorübergehend nicht sicher oder nicht ausreichend oral essen kann, der Magen-Darm-Trakt jedoch funktioniert. Die orale Ernährung reicht nicht aus, der Magen-Darm-Trakt ist nutzbar, und der Bedarf ist voraussichtlich vorübergehend. Nach einem Schlaganfall kann die nasale Magensonde die Ernährung sichern, während Logopädie und ärztliches Team die Schluckfähigkeit weiter prüfen. Bei Kopf-Hals-Tumoren überbrückt sie eine belastende Therapie, nach einer Operation eine vorübergehend zu geringe orale Aufnahme.

Bei schwerer Demenz und Aspirationsgefahr müssen medizinische Indikation, Therapieziel, Prognose und der Wille der betroffenen Person getrennt betrachtet werden. Eine Sonde verhindert Aspiration nicht automatisch. Bleibt die orale Aufnahme bei onkologischen Patient:innen dauerhaft unzureichend, gehört die Frage nach PEG oder PEJ früh in die Behandlung und nicht erst in die Entlassungsplanung.

Vor der Anlage kritisch prüfen

Vor der Anlage prüfst du mindestens:

  • Indikation: Ist die orale Ernährung unzureichend oder vorübergehend nicht sicher möglich?
  • Ziel und Dauer: Geht es um Flüssigkeit, Energiezufuhr, Medikamente oder mehrere Ziele?
  • Anatomie: Bestehen Verletzungen, Operationen oder Erkrankungen im Gesichts-, Nasen- oder Ösophagusbereich?
  • Risiken: Gibt es Aspirationsgefahr, Blutungsrisiko, Bewusstseinsstörungen oder Hinweise auf eine gestörte Magenentleerung?
  • Alternativen: Ist ein nasojejunaler oder perkutaner Zugang passender?

Klare Kontraindikationen oder starke Warnzeichen sind Gesichts- und Schädelbasistraumata, eine vermutete Ösophagusruptur und schwere Gerinnungsstörungen. Bei unklarer Anatomie, ausgeprägter Blutungsneigung oder wiederholten erfolglosen Versuchen brichst du ab und holst ärztliche Unterstützung. Gegen Widerstand wird die Sonde nicht vorgeschoben.

Übersichtsgrafik zur medizinischen Nasensonde mit Indikationen, Anwendungsdauer und Kontraindikationen für medizinisches Fachpersonal zur Information.

Warum der Zeitrahmen wichtig ist

Der kurze Einsatzzeitraum betrifft nicht nur die Technik. Die Sonde kann Nasenschleimhaut, Rachen und Ösophagus reizen. Mit längerer Liegedauer nehmen Verstopfung, Dislokation und mechanische Reizung als Versorgungsprobleme zu. Wird ein Bedarf über den kurzfristigen Zeitraum hinaus absehbar, besprichst du PEG oder einen anderen geeigneten Zugang frühzeitig mit dem ärztlichen Team. Die bereits genannte S3-Leitlinie beschreibt dafür den relevanten Rahmen. Bei älteren Patient:innen mit einem voraussichtlichen Bedarf von mehr als 14 Tagen wird eine PEG gegenüber der nasogastralen Sonde empfohlen; bei langfristigem Bedarf sollen spätestens nach 6 Wochen perkutane Sonden eingesetzt werden.

Anlage und Lagekontrolle der nasalen Magensonde

Am Bett entscheidet gute Vorbereitung darüber, ob die Anlage ruhig und sicher gelingt. Du brauchst die angeordnete Sonde, Gleitmittel, Einmalhandschuhe, eine Nierenschale, Fixiermaterial, Wasser zum Schlucken, Absaugmöglichkeit und das Material für die vorgesehene Lagekontrolle. Erkläre der Patientin oder dem Patienten den Ablauf in einfachen Worten. Eine aufrechte Sitzposition oder eine aufgerichtete Oberkörperlagerung erleichtert das Schlucken und verringert das Aspirationsrisiko.

Miss die vorgesehene Einführtiefe nach dem hausinternen Standard und markiere sie sichtbar. Führe die Sonde vorsichtig über das ausgewählte Nasenloch ein. Wenn die Person schlucken kann, bitte sie, kleine Schlucke Wasser zu nehmen, während du die Sonde langsam weiterführst. Bei starkem Husten, Zyanose, Atemnot, ausgeprägtem Würgereiz oder Widerstand ziehst du die Sonde zurück und beurteilst die Situation neu.

Lagekontrolle ist kein Nebenschritt

Nach der Anlage kontrollierst du die Lage vor jeder ersten Nutzung nach dem geltenden Standard. Dazu kann die Aspiration von Mageninhalt mit anschliessender pH-Wert-Prüfung gehören. Der konkrete Grenzwert und das verwendete Testmaterial richten sich nach der hauseigenen Vorgabe. Ein fehlendes Aspirat beweist nicht, dass die Sonde falsch liegt, und ein einzelnes Ergebnis darf nicht losgelöst von Klinik und Einführtiefe bewertet werden.

Das Aufstoßen der Sonde oder ein wahrgenommenes Luftgeräusch über dem Magen ersetzt keine sichere Lagekontrolle. Die Auskultation kann einen trügerischen Eindruck vermitteln, weil Luft auch ausserhalb des Magens Geräusche erzeugen kann. Bei unklarer Lage, schwieriger Anlage, Risikopatient:innen oder widersprüchlichen Befunden brauchst du eine ärztlich veranlasste bildgebende Kontrolle. In bestimmten Situationen kann auch eine Kapnographie helfen, eine tracheale Fehllage zu erkennen.

Praktische Regel: Wenn du die Lage nicht sicher belegen kannst, darf durch die Sonde nichts gegeben werden. Nicht einmal Wasser oder Medikamente.

Nasenbluten, Schmerzen, anhaltendes Würgen, Husten, Atemnot oder eine neue Stimmveränderung dokumentierst du ebenso wie die verwendete Sonde, die Einführtiefe, die Lagekontrolle und die Reaktion der betroffenen Person. Die hygienischen Abläufe müssen zum lokalen Standard passen. Eine gute Orientierung für die Einbindung in den Stationsalltag bietet der Beitrag Hygiene im Krankenhaus.

Eine Krankenschwester legt einer Patientin eine nasale Magensonde zur enteralen Ernährung in einer klinischen Umgebung.

Verabreichung von Sondenkost und sicherer Kostaufbau

Nach der bestätigten Lage beginnt die eigentliche Routine. Prüfe die ärztliche Anordnung, das Produkt, die vorgesehene Menge, die Applikationsart und die Verträglichkeit. Bei einer unkomplizierten Situation kann die Ernährung über eine nasale Magensonde unmittelbar nach der korrekten Lagekontrolle beginnen. Der Kostaufbau sollte trotzdem schrittweise erfolgen, weil ein zu schneller Start Übelkeit, Erbrechen, Durchfall, Blähungen oder eine gastrale Intoleranz begünstigen kann.

Bei kritisch kranken, mangelernährten oder metabolisch gefährdeten Patient:innen empfiehlt die deutsche chirurgische S3-Leitlinie einen vorsichtigen Beginn mit 10 bis 20 ml/h. Das Kalorienziel kann dabei erst nach 5 bis 7 Tagen erreicht werden. Die S3-Leitlinie zur klinischen Ernährung in der Chirurgie beschreibt diesen vorsichtigen Aufbau, um Refeeding-Risiken und gastrointestinale Komplikationen zu begrenzen.

Patient:innengruppe Startrate Steigerung Zielzeitraum
Stabile Patient:innen ohne besondere Risiken Nach Anordnung Verträglichkeit und Bilanz beachten Nach ärztlichem Schema
Ältere oder mangelernährte Patient:innen 10 bis 20 ml/h Langsam und kontrolliert 5 bis 7 Tage bis zum Kalorienziel
Metabolisch gefährdete Patient:innen 10 bis 20 ml/h Nur nach engmaschiger Kontrolle 5 bis 7 Tage oder länger nach Befund

Was sich am Bett bewährt

Lagere den Oberkörper während der Gabe und für den Zeitraum, den dein Standard vorsieht, erhöht. Spüle die Sonde nach lokaler Vorgabe. Als praktische Orientierung werden häufig 20 bis 30 ml Wasser vor und nach jeder Gabe verwendet, sofern keine Flüssigkeitsrestriktion oder individuelle Anordnung dagegenspricht. Bei Medikamenten erfolgt die Spülung getrennt nach Hausstandard, damit sich Wirkstoffe nicht vermischen oder die Sonde verstopfen.

Bolusgaben können bei passenden Patient:innen und geeigneter Kost funktionieren. Eine Schwerkraftapplikation ist einfach, aber weniger exakt steuerbar. Die Pumpe ist besonders hilfreich, wenn eine niedrige Rate, eine kontinuierliche Zufuhr oder eine enge Bilanzierung nötig ist. Was nicht funktioniert, ist das blinde Hochdrehen der Rate, nur weil das Tagesziel noch nicht erreicht wurde.

Dokumentiere nicht nur die geplante Menge. Entscheidend ist die tatsächlich verabreichte Sondenkost, dazu kommen Wasser, Spülungen, Pausen, Erbrechen, Stuhlveränderungen und Gründe für Unterbrechungen. Eine übersichtliche pflegerische Dokumentation der Pflege macht Abweichungen in der nächsten Schicht sichtbar und verhindert, dass eine unvollständige Zufuhr als vollständig übernommen wird.

Komplikationen erkennen und sicher reagieren

Die meisten Probleme kündigen sich an, wenn du die Veränderung gegenüber dem vorherigen Zustand wahrnimmst. Ein Patient hustet plötzlich während der Gabe. Eine Sonde lässt sich nicht mehr spülen. Die Markierung an der Nase steht anders als am Morgen. Eine Patientin entwickelt Übelkeit und abdominale Spannung, nachdem die Rate erhöht wurde. Jede dieser Situationen braucht eine andere Reaktion, aber keine darf einfach übergangen werden.

Häufige Szenarien in der Versorgung

Verstopfung entsteht oft durch unzureichendes Spülen, konzentrierte Nahrung oder Medikamente, die nicht für die Sondengabe geeignet sind. Pausiere die Gabe, prüfe das System und spüle nur nach dem gültigen Standard. Verwende keinen starken Druck und führe Medikamente nicht unkritisch zusammen. Wenn sich die Sonde nicht freimachen lässt, muss sie ärztlich beurteilt und gegebenenfalls gewechselt werden.

Dislokation erkennst du an einer veränderten äusseren Markierung, Husten, Würgen, Atemnot, neuem Unwohlsein oder einer ungeklärten Verschlechterung während der Gabe. Stoppe die Ernährung sofort. Nutze die Sonde erst wieder, wenn ihre Lage erneut sicher kontrolliert und dokumentiert wurde. Bei Atemnot, Zyanose oder Verdacht auf tracheale Lage alarmierst du unverzüglich das ärztliche Team.

Diarrhö, Blähungen und Übelkeit sprechen häufig für eine schlechte Verträglichkeit, eine zu schnelle Steigerung, eine ungeeignete Temperatur oder andere medizinische Ursachen. Reduziere nicht eigenmächtig dauerhaft die Ernährung, sondern pausiere bei akuten Beschwerden nach Standard und kläre Rate, Produkt, Medikamente, Infektionen und Flüssigkeitshaushalt. Bei Erbrechen und Aspirationsverdacht steht die Atemwegssicherheit vor der Fortsetzung der Ernährung.

Eine Checkliste in fünf Schritten zur Erkennung von Komplikationen und zum sicheren Handeln in medizinischen Notfallsituationen.

Refeeding-Risiko nicht übersehen

Bei stark mangelernährten oder metabolisch gefährdeten Patient:innen kann ein zu schneller Ernährungsbeginn gefährlich werden. Warnzeichen können zunehmende Schwäche, Ödeme, Atemprobleme, Verwirrtheit oder Herzrhythmusstörungen sein. Die Ursache liegt in Verschiebungen wichtiger Elektrolyte und Flüssigkeiten nach Beginn der Ernährung. Du brauchst deshalb einen angeordneten Kontrollplan und darfst auffällige klinische Zeichen nicht mit „schlechter Verträglichkeit“ abtun.

Bei Verdacht pausierst du die Ernährung nach hausinternem Vorgehen, sicherst die Patientin oder den Patienten, kontrollierst die Vitalzeichen und informierst unverzüglich das ärztliche Team. Die weitere Versorgung richtet sich nach Laborbefunden, Risikoprofil und klinischem Zustand. Die Leitlinie zum Notfallmanagement sollte dabei nicht nur im Ordner liegen, sondern im Team bekannt sein.

Bei Unsicherheit gilt: Ernährung stoppen, Lage und Patientenzustand prüfen, dokumentieren und eskalieren. Eine ausgelassene Gabe lässt sich nachholen. Eine unbemerkte Aspiration kann schwere Folgen haben.

Re-Evaluation Wechsel auf PEG und ambulante Versorgung

Die nasale Sonde bleibt eine Brückenlösung, wenn der Ernährungsbedarf voraussichtlich kurz besteht. Hält die Dysphagie an, reicht die orale Aufnahme nicht aus oder ist eine länger dauernde onkologische Behandlung absehbar, muss das Team den Zugangsweg neu bewerten. Bei älteren Patient:innen empfiehlt die DGEM bei einem erwarteten Bedarf von mehr als 14 Tagen eine PEG statt einer nasogastralen Sonde. Bei längerem Bedarf sollen spätestens nach 6 Wochen perkutane Sonden die Nasensonde ersetzen. Die Empfehlung ist auch in der englischsprachigen Fassung der DGEM-Leitlinie festgehalten.

Die Entscheidung richtet sich nach Therapieziel, Prognose, Eingriffsbelastung, Einwilligung und dem Willen der betroffenen Person. Eine PEG kann die verabreichbare Nahrungsmenge erhöhen und typische Probleme der nasalen Sonde verringern. Sie ist trotzdem nicht für jede Person passend. Bei schlechtem Allgemeinzustand, begrenztem Therapieziel oder fehlender Zustimmung kann die Nasensonde zunächst die angemessenere Lösung bleiben.

Die Übergabe muss die Brücke schliessen

Im häuslichen Umfeld und im Pflegeheim entstehen Versorgungslücken besonders dann, wenn Zuständigkeiten, Kostplan und Reevaluation nicht schriftlich festgelegt sind. Die S3-Leitlinie zur Ernährung in der Onkologie beschreibt die Bedeutung der ambulanten enteralen Versorgung.

Vor der Entlassung braucht der ambulante Pflegedienst, das Pflegeheim oder die Reha-Klinik konkrete Angaben: Sondentyp, Kost, Rate, Spülmengen, Pausenkriterien und eine erreichbare Kontaktperson. Der Termin zur Reevaluation gehört ebenso in den Plan wie die Bilanz der tatsächlich verabreichten Nahrung und Flüssigkeit. Bei anhaltendem Bedarf muss feststehen, wer die Entscheidung über PEG oder PEJ vorbereitet und wer die Versorgung bis dahin überprüft. Ohne diese Übergabe bleibt die Sonde leicht aus Gewohnheit liegen.

Dokumentation Aufklärung und rechtliche Sicherheit

Eine sichere Sondenversorgung endet nicht mit der Gabe. In der Akte müssen ärztliche Anordnung, Indikation, Ziel, Sondentyp, Einführtiefe, Lagekontrolle, Kost, Rate, Spülungen und tatsächlich verabreichte Mengen nachvollziehbar sein. Dokumentiere ausserdem Pausen, Erbrechen, Durchfall, Schmerzen, Husten, Atemveränderungen, Dislokationsverdacht und die eingeleiteten Massnahmen.

Die ärztliche Anordnung muss schriftlich vorliegen und bei Veränderungen angepasst werden. Führe täglich eine Bilanz der tatsächlich zugeführten Sondenkost und Flüssigkeit. Bei abdominal-chirurgischen Patient:innen kann in der Anfangsphase zusätzlich eine 4- bis 6-stündliche Kontrolle des gastralen Residualvolumens angeordnet sein. Die aktuelle DGEM/AWMF-Leitlinie nennt ausserdem ein Energieziel von 25 bis 30 kcal/kg Körpergewicht/Tag. Beide Angaben gehören nur dann in die konkrete Durchführung, wenn sie zur individuellen Anordnung und zum klinischen Zustand passen. Grundlage ist die DGEM/AWMF-S3-Leitlinie von 2024.

Übergabecheckliste für die nächste Schicht

  • Zugang: Sondentyp, Nasenloch, äussere Markierung und Einführtiefe
  • Lage: Zeitpunkt und Ergebnis der Kontrolle, offene Unsicherheiten
  • Ernährung: Produkt, Rate, Pausen, tatsächlich verabreichte Menge
  • Flüssigkeit: Spülungen, zusätzliche Flüssigkeit und Bilanz
  • Verträglichkeit: Übelkeit, Erbrechen, Stuhl, Bauchbefund und Atemzeichen
  • Plan: nächste Kontrolle, Reevaluation und erreichbare ärztliche Ansprechperson

Vor der Anlage und Fortführung müssen Patient:innen aufgeklärt werden. Bei fehlender Einwilligungsfähigkeit prüfst du Vorsorgevollmacht, Betreuung und den mutmasslichen Willen nach den geltenden rechtlichen und hauseigenen Vorgaben. Angehörige brauchen verständliche Informationen, sie ersetzen aber nicht automatisch die Einwilligung der betroffenen Person.

Im ambulanten Setting übernimmt ein mobiler Pflegedienst die Versorgung nur mit klarer Anordnung, Einweisung, Materialplan und erreichbarer ärztlicher Unterstützung. Warnzeichen für ein Refeeding-Syndrom sind vor allem neue Schwäche, Ödeme, Atemprobleme, Verwirrtheit und Herzrhythmusstörungen. Medikamente dürfen nur über die Sonde gegeben werden, wenn Arzneimittel, Darreichungsform und Sondenlage dafür geeignet sind. Retardierte, magensaftresistente oder speziell formulierte Präparate dürfen nicht einfach aufgelöst werden. Kläre jedes Präparat einzeln mit Apotheke oder ärztlichem Team.

Für strukturierte Nachweise kann ein digitales Hilfsmittel wie CE-Copilot Dokumentation die Ablage und Nachvollziehbarkeit unterstützen. Entscheidend bleibt, dass du nicht nur Kästchen abhakst, sondern klinische Veränderungen, Abweichungen und Entscheidungen verständlich festhältst.


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