Im Nachtdienst liest Du in der Übergabe: „Frau K. ist sturzgefährdet, bitte unterstützen.“ Doch wobei genau braucht sie Hilfe? Ist sie beim Aufstehen unsicher, treten Schwindel oder Schmerzen auf, und kann sie mit einer Gehhilfe selbstständig gehen? Wenn die Pflegeplanung diese Fragen offenlässt, muss das nächste Team nachfragen oder die Situation neu einschätzen. Eine gemeinsame, klare Sprache macht den Unterschied.
Das PESR-Schema in der Pflegeplanung hilft Dir, ein Pflegeproblem mit seiner Ursache, seinen beobachtbaren Anzeichen und den vorhandenen Ressourcen zu beschreiben. Es ist kein Prüfungswissen für die Schublade, sondern eine Orientierung für die Zusammenarbeit am Bett. Gut formulierte Einträge machen nachvollziehbar, warum eine Maßnahme sinnvoll ist und woran das Team später ihre Wirkung beurteilt.
Für Fachkräfte, Auszubildende und Einrichtungen zählt dabei nicht möglichst viel Text, sondern eine aussagekräftige Dokumentation. Der Deutsche Krankenhausinstitut-Blitzumfrage 2025 zufolge verbringen Pflege- und ärztliche Beschäftigte in deutschen Krankenhäusern durchschnittlich rund ein Drittel ihrer Arbeitszeit beziehungsweise fast drei Stunden täglich mit Dokumentation und Nachweispflichten. Rechnerisch entspricht das etwa 137.000 Pflegekräften, die ausschließlich mit Dokumentationstätigkeiten befasst sind (DKI-Blitzumfrage zur Bürokratiebelastung). Umso wichtiger ist, Probleme präzise und ohne unnötige Wiederholungen festzuhalten.
Inhaltsverzeichnis
- Warum eine klare Sprache in der Pflegeplanung den Alltag entscheidet
- Aufbau des PESR-Schemas und Einordnung in den Pflegeprozess
- Was eine vollständige PESR-Formulierung ausmacht
- Drei Musterformulierungen für den direkten Einsatz im Pflegebericht
- Sprachbausteine für Problem, Ursache, Symptom und Ressource
- Ressourcen erkennen, auch wenn wenig Selbstständigkeit sichtbar ist
- Wie PESR mit der laufenden Verlaufsdokumentation zusammenspielt
- Schnellprüfung vor der Übergabe und im Pflegebericht
- PESR im Verhältnis zu AEDL, ATL und der Strukturierten Informationssammlung
- Häufige Fehler bei der PESR-Formulierung und bessere Alternativen
Warum eine klare Sprache in der Pflegeplanung den Alltag entscheidet
Eine Pflegekraft aus dem Frühdienst liest „unsicher beim Transfer“, die nächste versteht darunter Unterstützung beim Aufstehen, eine andere denkt an den Weg zur Toilette. Ohne konkrete Beobachtungen kann jede Person anders handeln. Das kostet Zeit und erschwert eine verlässliche Versorgung.
Das PESR-Schema gibt Deinem Team ein gemeinsames Gerüst. Du benennst das Problem, ordnest ihm mögliche Ursachen zu, beschreibst beobachtbare Symptome und hältst Ressourcen fest, auf denen die Pflege aufbauen kann. So wird aus „mobilitätseingeschränkt“ eine Information, mit der Kolleginnen und Kollegen tatsächlich weiterarbeiten können.
Merke: Eine gute Pflegeplanung soll nicht nur sagen, was schwierig ist. Sie soll auch erkennbar machen, warum es schwierig ist und was die Person selbst oder mit Unterstützung tun kann.
Unklare Einträge haben oft dieselben Folgen: Rückfragen häufen sich, Maßnahmen passen nicht zur Situation, und Veränderungen lassen sich schlechter mit früheren Beobachtungen vergleichen. Eine Tätigkeitsliste wie „begleitet, gewaschen, gelagert“ erklärt außerdem nicht, welches Pflegeproblem die Handlungen adressieren oder ob sie etwas bewirkt haben.
Gerade in Wechselschichten ist Verständlichkeit entscheidend. Pflegefachkräfte, die in unterschiedlichen Teams oder Einrichtungen arbeiten, müssen sich auf nachvollziehbare Angaben verlassen können. Der PESR-Eintrag soll deshalb präzise sein, aber nicht unnötig lang. In diesem Leitfaden lernst Du, wie Du die vier Bestandteile auseinanderhältst, sie mit Pflegezielen und Maßnahmen verbindest und Ressourcen auch dann sichtbar machst, wenn Selbstständigkeit zunächst kaum erkennbar ist.
Aufbau des PESR-Schemas und Einordnung in den Pflegeprozess
PESR steht für Problem, Ätiologie, Symptom und Ressource. Die Buchstaben bilden eine kompakte Beschreibung der Pflegesituation. In der deutschen Pflegeplanung helfen sie, ein Problem einheitlich und nachvollziehbar zu erfassen (MDS-bezogene Handlungsempfehlung zur Pflegeplanung).
- P wie Problem: Was ist die pflegerische Einschränkung oder welches Risiko ist relevant? Beispiel: „Eingeschränkte Mobilität.“
- E wie Ätiologie: Welche Ursache oder begünstigenden Faktoren stehen damit in Zusammenhang? Beispiel: „im Zusammenhang mit Muskelschwäche.“
- S wie Symptom: Woran lässt sich das Problem beobachten? Beispiel: „erkennbar an unsicherem Transfer und kurzen Gehstrecken.“
- R wie Ressource: Welche Fähigkeit, Unterstützung oder Hilfe kann die Pflege einbeziehen? Beispiel: „kann mit Rollator selbstständig vom Bett zum Stuhl gehen.“
Die Ätiologie ist dabei keine Einladung, Vermutungen als Tatsachen zu dokumentieren. Trenne Beobachtetes von Deiner fachlichen Einschätzung. Wenn eine Ursache noch nicht geklärt ist, formuliere entsprechend vorsichtig und prüfe, ob weitere Informationen nötig sind.

PESR ist kein Ersatz für den Pflegeprozess, sondern unterstützt die strukturierte Einschätzung und Pflegeplanung. Das Deutsche Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege beschreibt den Pflegeprozess als Abfolge von Einschätzung, Planung und Vereinbarung von Maßnahmen, Durchführung und Evaluation (DNQP zur Nutzung von Expertenstandards). Die PESR-Aussage hilft, ein Problem zu ordnen. Danach brauchst Du ein überprüfbares Pflegeziel, passende Maßnahmen und eine spätere Beurteilung, ob das Ziel erreicht wurde.
So hängt es zusammen: Bei der Einschätzung sammelst Du Informationen. Du formulierst das Pflegeproblem mit PESR, leitest daraus Ziel und Maßnahmen ab und prüfst anschließend die Wirkung. Die Expertenstandards des DNQP bieten für zentrale pflegerische Themen zusätzliche fachliche Orientierung; Anforderungen an Struktur-, Prozess- und Ergebnisqualität helfen, die Planung mit dem tatsächlichen Vorgehen und den Ergebnissen zu verbinden (DNQP-Expertenstandards und Audit-Instrumente).
Was eine vollständige PESR-Formulierung ausmacht
Eine vollständige Formulierung macht aus einem allgemeinen Stichwort eine nachvollziehbare Beschreibung. „Sturzgefahr“ allein sagt weder, wodurch das Risiko entsteht, noch woran es sich zeigt oder welche Fähigkeiten erhalten sind. Es kann ein relevantes Problem benennen, aber es genügt nicht als vollständige PESR-Aussage.
Nimm als Beispiel eine Person, die beim Transfer unsicher ist. „Eingeschränkte Mobilität im Zusammenhang mit Muskelschwäche, erkennbar an unsicherem Transfer und kurzen Gehstrecken; Ressource: kann mit Rollator selbstständig vom Bett zum Stuhl gehen“ verbindet die vier Bestandteile. Die Angabe zeigt sowohl Unterstützungsbedarf als auch eine konkrete Fähigkeit, an die das Team anknüpfen kann.
| Element | Schwache Formulierung | Vollständige PESR-Formulierung |
|---|---|---|
| Problem | „Ist immobil.“ | „Eingeschränkte Mobilität.“ |
| Ursache | Keine Ursache benannt. | „Im Zusammenhang mit Muskelschwäche.“ |
| Symptom | „Kann nicht gut gehen.“ | „Erkennbar an unsicherem Transfer und kurzen Gehstrecken.“ |
| Ressource | Keine Fähigkeit dokumentiert. | „Kann mit Rollator selbstständig vom Bett zum Stuhl gehen.“ |
Prüfe bei jedem Satz, ob eine andere Pflegekraft ihn ohne zusätzliche Erklärung versteht. Beobachtbar heißt, dass Du Verhalten, Äußerungen oder körperliche Anzeichen beschreibst, statt unklare Wertungen wie „unkooperativ“ oder „schlecht mobil“ einzutragen. Nachvollziehbar heißt, dass die Verbindung zwischen Problem und Ursache fachlich plausibel und als Einschätzung erkennbar ist.
Die Ressource ist kein dekorativer Zusatz am Ende des Satzes. Sie verändert, wie Du Pflegeziele und Maßnahmen formulierst. Wenn die Person den Transfer mit dem Rollator selbstständig schafft, muss die Planung diese Fähigkeit erhalten und fördern, statt sie durch unnötige Übernahme unsichtbar zu machen.
Drei Musterformulierungen für den direkten Einsatz im Pflegebericht
Nutze Muster als sprachliche Orientierung, nicht als fertige Diagnose für jede Person. Passe Ursache, Symptome, Ressourcen und Ziel an das an, was Du tatsächlich erhoben oder beobachtet hast.
Akutpflege mit Sturzrisiko
PESR: Erhöhtes Sturzrisiko im Zusammenhang mit unsicherem Gangbild und Schwindel beim Aufstehen, erkennbar an schwankendem Stand und notwendigem Abstützen; Ressource: Patientin kann den Schwindel mitteilen und nutzt den Rollator nach Aufforderung.
Pflegeziel: Die Patientin fordert Unterstützung beim Aufstehen an und nutzt den Rollator entsprechend ihrer aktuellen Belastbarkeit.
Evaluation: Prüfe bei der vereinbarten Auswertung, ob Schwindel, Stand und Transferfähigkeit verändert sind und ob die Unterstützung angepasst werden muss. Risikoeinschätzung und Präventionsmaßnahmen bleiben nachvollziehbar dokumentiert.
Langzeitpflege mit chronischer Schmerzsituation
PESR: Chronischer Schmerz mit Einschränkung bei Alltagsaktivitäten im Zusammenhang mit der bekannten Schmerzsituation, erkennbar an geäußerter Belastung beim Ankleiden und schmerzbedingten Pausen; Ressource: Bewohnerin kann Schmerzort und gewünschte Unterstützung benennen.
Pflegeziel: Die Bewohnerin kann ihre Belastung mitteilen und die vereinbarten Aktivitäten mit individuell angepasster Unterstützung durchführen.
Evaluation: Halte fest, wie die Bewohnerin ihre Schmerzen einschätzt, welche Aktivität betroffen war und wie sie auf die vereinbarten Interventionen reagiert hat. Bei Schmerzen gehören standardisierte Einschätzung, Intervention und erneute Beurteilung zusammen.
Pädagogische Wohngruppe mit herausforderndem Verhalten
PESR: Belastungsreaktionen in Übergangssituationen im Zusammenhang mit kurzfristigen Veränderungen im Tagesablauf, erkennbar an lautem Rufen und Rückzug; Ressource: Kind nimmt visuelle Ablaufhinweise an und sucht bei vertrauten Bezugspersonen Unterstützung.
Pflegeziel: Das Kind kann mit visualisierter Vorbereitung und verlässlicher Begleitung Übergänge zunehmend sicher bewältigen.
Evaluation: Beobachte, in welchen Situationen die Reaktion auftritt und ob die visualisierte Vorbereitung angenommen wird. Passe die Unterstützung gemeinsam mit dem Team an, statt das Verhalten isoliert als Eigenschaft des Kindes zu beschreiben.
Wenn Du die Beispiele für den Bericht sprachlich weiterentwickeln möchtest, findest Du ergänzende Hinweise zu Pflegeberichte schreiben mit Mustern.
Sprachbausteine für Problem, Ursache, Symptom und Ressource
Bausteine erleichtern das Formulieren, wenn Du eine Situation neu strukturierst. Setze sie nur dann zusammen, wenn sie den Einzelfall treffen. Ein passender Satz beschreibt die Person und ihre beobachtbare Situation, nicht bloß eine abstrakte Kategorie.

P und E
Problem: „Eingeschränkte Mobilität“ passt etwa zur Akutpflege oder Langzeitpflege. „Beeinträchtigte Belastbarkeit“ kann in der Intensivpflege zutreffen, wenn sie sich in konkreten Aktivitäten zeigt. Für ein pädagogisches Setting eignet sich je nach Situation „erschwerte Teilnahme an Übergängen“.
Ursache: Nutze Satzanfänge, die den Zusammenhang kenntlich machen: „im Zusammenhang mit …“, „begünstigt durch …“ oder „bei bestehender …“. Mögliche Ergänzungen sind Muskelschwäche, Schmerzen, veränderte Orientierung oder eine ungewohnte Umgebung. Prüfe immer, ob diese Faktoren belegt sind.
S und R
Symptom: Formuliere mit „erkennbar an …“ oder „zeigt sich durch …“. Beispiele sind unsicherer Transfer, kurze Gehstrecken, geäußerte Schmerzen, Rückzug bei einem angekündigten Übergang oder wiederholtes Nachfragen. Beschreibe, was Du gesehen, gehört oder gemeinsam erhoben hast.
Ressource: Schreibe konkret, was die Person kann oder welche Unterstützung wirkt: „nimmt die Gehhilfe an“, „kann das Schmerzempfinden benennen“, „orientiert sich an Bildkarten“ oder „nimmt Kontakt zu einer vertrauten Bezugsperson auf“.
Für Akutpflege, Langzeitpflege, Intensivpflege und pädagogische Settings gilt dieselbe Sprachlogik. Der Kontext verändert die passenden Inhalte, nicht aber die Pflicht, Beobachtung und Deutung auseinanderzuhalten.
Sprachliche Klammer: „Problem im Zusammenhang mit Ursache, erkennbar an Symptom; Ressource: konkrete Fähigkeit oder Unterstützung.“ Nutze diese Form als Denkstütze, nicht als starre Vorlage.
Ressourcen erkennen, auch wenn wenig Selbstständigkeit sichtbar ist
Das „R“ wird leicht übersehen, wenn eine Person stark unterstützungsbedürftig ist. Doch Ressourcen sind nicht gleich Selbstständigkeit. Auch Motivation, eine vertraute Beziehung, eine Kommunikationshilfe, Angehörigenwissen, kulturelle Gewohnheiten, technische Hilfsmittel oder eine teilweise erhaltene Fähigkeit können für die Pflegeplanung bedeutsam sein.
Bei einer Person mit Demenz kann eine passende Formulierung lauten: „Ressource: reagiert auf vertraute Ansprache und nimmt an der Körperpflege teil, wenn einzelne Schritte angekündigt werden.“ Bei einem Delir solltest Du zeitliche Veränderungen berücksichtigen und nicht aus einer einzelnen Beobachtung auf eine stabile Fähigkeit schließen. Möglich wäre: „Ressource: nimmt in ruhigen Phasen Blickkontakt auf und folgt einer kurzen, einzelnen Aufforderung.“
Bei einer Person, die wenig Deutsch spricht, kann die Ressource eine Kommunikationshilfe oder eine vertraute Person sein: „Ressource: kann mit Bildkarten Bedürfnisse anzeigen; Angehörige kennen vertraute Begriffe und Gewohnheiten.“ Erhebe solche Angaben möglichst gemeinsam mit der Person. Wenn Du eine Fähigkeit nur unter bestimmten Bedingungen beobachtest, benenne diese Bedingungen, statt sie als jederzeit verfügbar darzustellen.
Beobachtung von Rückmeldung unterscheiden
Schreibe erkennbar, ob Du eine Ressource selbst beobachtet, mit der Person besprochen oder durch Angehörige beziehungsweise das interprofessionelle Team erfahren hast. Bei widersprüchlichen Angaben oder schwankender Orientierung kann eine weitere Einschätzung sinnvoll sein. Beachte dabei die geltenden Datenschutzregeln und beziehe Angehörige nur angemessen in den Informationsaustausch ein.
Eine personenzentrierte Einschätzung macht Pflegeziele realistischer und bewahrt Fähigkeiten vor dem Übersehen. Anregungen dazu, wie Du Beobachtungen systematisch sammelst, bietet diese Übersicht mit Beispielen zum Assessment in der Pflege.
Wie PESR mit der laufenden Verlaufsdokumentation zusammenspielt
Die PESR-Aussage beschreibt ein Pflegeproblem strukturiert. Die Pflegeplanung verbindet dieses Problem mit Ziel, Maßnahmen und Zuständigkeiten. Der Tagesbericht hält dagegen fest, was im konkreten Verlauf geschehen ist: etwa eine neue Beobachtung, eine Veränderung, eine durchgeführte Intervention und die Reaktion der Person.
Nicht jede unveränderte Situation braucht eine neue, gleichlautende Formulierung. Dokumentationswürdig sind Veränderungen, die die Einschätzung, die Maßnahmen oder die Evaluation beeinflussen. Wird ein zuvor sicherer Transfer plötzlich unsicher, ist das relevant. Eine wiederholte Aussage ohne neue Beobachtung bläht den Eintrag dagegen auf, ohne die Planung hilfreicher zu machen.

Risikoeinschätzung und Evaluation bleiben eigene Arbeitsschritte. Bei einem Sturzrisiko müssen Einschätzung, individuelle Präventionsmaßnahmen, Durchführung und Wirksamkeitskontrolle nachvollziehbar sein. Bei Schmerzen gehören standardisierte Einschätzung, Intervention und Reevaluation zusammen. Die PESR-Formulierung allein weist diese Schritte nicht nach.
Wenn sich Zustand, Ressourcen oder Ziele verändern, prüfe, ob die Pflegeplanung angepasst werden muss. Eine hilfreiche Orientierung zum Zusammenspiel von Pflegeplanung und laufenden Einträgen bietet die Dokumentation in der Pflege.
Schnellprüfung vor der Übergabe und im Pflegebericht
Nutze die Checkliste, bevor Du einen Eintrag weitergibst. Sie soll keine fachliche Einschätzung ersetzen, sondern Dir helfen, Lücken schnell zu erkennen.

- Vollständigkeit: Sind Problem, Ursache, Symptom und Ressource benannt?
- Klarheit: Ist das Problem konkret statt pauschal formuliert?
- Beobachtbarkeit: Sind die Symptome sichtbar, hörbar oder nachvollziehbar erhoben?
- Plausibilität: Passt die Ursache zur beschriebenen Situation?
- Ressourcenblick: Ist eine Fähigkeit oder hilfreiche Unterstützung aufgeführt?
- Aktualität: Entspricht der Eintrag dem gegenwärtigen Pflegebedarf?
- Verknüpfung: Lassen sich Pflegeziel und Maßnahme daraus ableiten?
- Verständlichkeit: Kann das nächste Team die Information ohne Rückfrage nutzen?
Gib bei der Übergabe außerdem die aktuelle Zielerreichung und offene Evaluationen weiter. Zur strukturierten mündlichen Übergabe kann das SBAR-Schema in der Pflege ergänzend Orientierung bieten.
PESR im Verhältnis zu AEDL, ATL und der Strukturierten Informationssammlung
PESR beschreibt ein Pflegeproblem in einer festen Struktur. AEDL und ATL dienen dagegen als Ordnungsmodelle, mit denen Du Lebensbereiche beziehungsweise Aktivitäten systematisch betrachten kannst. Die Strukturierte Informationssammlung (SIS) unterstützt eine umfassendere Erfassung der individuellen Situation. Diese Ansätze erfüllen unterschiedliche Aufgaben und müssen nicht gegeneinander ausgespielt werden.
| Modell | Kurzbeschreibung | Bezug zu PESR |
|---|---|---|
| PESR | Strukturiert Problem, Ursache, Symptome und Ressourcen. | Formuliert ein einzelnes Pflegeproblem kompakt und nachvollziehbar. |
| AEDL | Ordnet die Einschätzung nach Aktivitäten, Beziehungen und existenziellen Erfahrungen des Lebens. | Kann helfen, Pflegebedarfe zu finden, die anschließend mit PESR konkretisiert werden. |
| ATL | Betrachtet Aktivitäten des täglichen Lebens als Orientierung für die Pflegeeinschätzung. | Kann die Informationssammlung strukturieren; PESR beschreibt daraus ein ausgewähltes Problem. |
| SIS | Erfasst die individuelle Pflegesituation in einer strukturierten Informationssammlung. | Kann den übergeordneten Kontext liefern, ohne dass jede Information als PESR-Satz wiederholt werden muss. |
PESR kann eigenständig als Formulierungshilfe für ein klar umrissenes Pflegeproblem dienen. In einer umfassenderen Pflegeplanung ergänzt es andere Modelle, wenn ein Problem genauer beschrieben und mit Zielen und Maßnahmen verknüpft werden soll. Vermeide doppelte Einträge: Halte Informationen dort fest, wo sie in Deinem Dokumentationssystem hingehören, und verweise bei Bedarf auf den passenden Zusammenhang.
Häufige Fehler bei der PESR-Formulierung und bessere Alternativen
Viele Schwächen entstehen nicht durch fehlendes Fachwissen, sondern durch ungenaue Sprache. Mit kleinen Änderungen wird aus einer pauschalen Aussage eine überprüfbare Beschreibung.
Ursache fehlt. Vorher: „Eingeschränkte Mobilität.“ Besser: „Eingeschränkte Mobilität im Zusammenhang mit Muskelschwäche.“ Die Ursache macht die Einschätzung nachvollziehbarer, sofern sie fachlich begründet ist.
Symptom bleibt diffus. Vorher: „Geht schlecht.“ Besser: „Erkennbar an unsicherem Transfer und kurzen Gehstrecken.“ So beschreibst Du konkrete Beobachtungen statt einer pauschalen Bewertung.
Wertung ersetzt Beobachtung. Vorher: „Patient ist unkooperativ.“ Besser: „Patient lehnt die angebotene Unterstützung beim Transfer ab und äußert, allein aufstehen zu wollen.“ Die zweite Formulierung hält Verhalten und Äußerung fest, ohne der Person eine Eigenschaft zuzuschreiben. Weitere Beispiele findest Du unter wertfreie Formulierungen in der Pflegedokumentation.
Ressource fehlt. Vorher: „Unsicherer Transfer, benötigt Hilfe.“ Besser: „Unsicherer Transfer; kann sich am Haltegriff aufrichten und nimmt eine verbale Schritt-für-Schritt-Anleitung an.“ Die Ergänzung zeigt, worauf die Unterstützung aufbauen kann.
Maßnahme wird mit dem Problem vermischt. Vorher: „Sturzgefahr, Rollator bereitstellen.“ Besser: „Erhöhtes Sturzrisiko im Zusammenhang mit unsicherem Gangbild, erkennbar an schwankendem Stand; Ressource: nutzt den Rollator nach Aufforderung.“ Die Maßnahme gehört anschließend in den Maßnahmenplan, wo sie konkret und nachvollziehbar festgelegt wird.
Lies Deinen Eintrag vor der Übergabe einmal aus Sicht einer Kollegin oder eines Kollegen, die beziehungsweise der die Person nicht kennt. Wenn Problem, Ursache, Anzeichen, Ressource und Anschlussplanung verständlich sind, kann das nächste Team gezielter weiterarbeiten.
Personal 1 Personalservice GmbH vermittelt Pflege- und pädagogische Fachkräfte und bietet sichere Festanstellungen in der Arbeitnehmerüberlassung sowie direkte Vermittlungen, mit individuell planbaren Arbeitsmodellen und gezielter Fortbildung. Wenn Du neue berufliche Möglichkeiten suchst oder Deine Einrichtung qualifiziertes Personal benötigt, nimm Kontakt auf und entdecke die Angebote von Personal 1 Personalservice GmbH.