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Drainage ziehen Schmerzen – was wirklich hilft

Drainageziehen ist in Deutschland je nach System unterschiedlich schmerzhaft: In einer prospektiven Studie war beim Entfernen einer Redon-Drainage durchschnittlich eine Zugkraft von 226 Pond erforderlich, bei einer Schlitzdrainage dagegen nur 25 Pond. Ein kurzes Ziehen oder Brennen kann vorkommen, doch die Intensität hängt unter anderem vom Drainagetyp und Operationsgebiet ab.

Auf einer chirurgischen Station kündigt die Ärztin am Abend an, dass eine Drainage am nächsten Morgen entfernt werden soll. Die Förderung ist gering, der Verband sitzt, doch die Patientin fragt unsicher: „Tut das weh?“ Eine pauschale Antwort wie „Das ist nur ein kurzes Ziehen“ beruhigt nicht unbedingt. Sie kann die tatsächliche Erfahrung sogar verharmlosen.

Für Pflegefachkräfte und MFA zählt deshalb eine ehrliche, konkrete Vorbereitung: Was kann die Patientin spüren? Welche Faktoren beeinflussen den Schmerz? Und woran erkennt das Team, dass der Vorgang nicht einfach fortgesetzt werden sollte? Wer die Antworten kennt, kann Sicherheit vermitteln, ohne Schmerzfreiheit zu versprechen. Das gilt für den Eingriff selbst und für die Versorgung danach.

Inhaltsverzeichnis

Wenn jede Handbremse zählt

Die Frage nach Schmerzen beim Drainageziehen kommt oft zwischen Übergabe, Medikamentengabe und Verbandwechsel auf. Gerade dann ist es verlockend, den Vorgang als Kleinigkeit abzutun. In der Praxis hilft das weder der Patientin noch dem Team. Wer nicht weiß, was sie erwartet, kann sich anspannen, erschrecken oder eine wichtige Rückmeldung erst geben, wenn der Schmerz bereits stark ist.

Eine Krankenschwester bereitet eine Drainage am Bauch einer Patientin im Krankenhausbett für den morgigen Tag vor.

Als Pflegefachkraft musst Du nicht vorhersagen, wie stark es einer einzelnen Person wehtun wird. Du kannst aber erklären, dass ein kurzes Ziehen oder Brennen möglich ist und die Empfindung je nach Drainagesystem und Operationsgebiet deutlich variieren kann. Eine deutsche Studie nach elektiver Hernienoperation zeigt, dass auch die notwendige Zugkraft und der Drainagetyp eine Rolle spielen, wie der folgende Abschnitt genauer einordnet (Studienergebnisse zu unterschiedlichen Wunddrainagen).

Aufklärung ist Teil der Vorbereitung

Unklare Aufklärung kann die Angst verstärken. Sag deshalb nicht einfach „Das tut nicht weh“, sondern beschreibe den Ablauf in verständlichen Worten: Die Haltenaht wird gelöst, dann wird die Drainage kontrolliert entfernt, und anschließend wird die Austrittsstelle versorgt. Erkläre auch, dass die Patientin jederzeit sagen soll, wenn sie starke Schmerzen oder ein ungewöhnliches Gefühl wahrnimmt.

Die Antwort auf die Frage „Wie stark tut es wirklich weh?“ lautet also: Das lässt sich nicht für alle Drainagen und alle Menschen gleich beantworten. Eine sorgfältige Erhebung der Schmerzen und eine klare Absprache machen es leichter, passend zu reagieren. Praktische Beispiele für strukturiertes Erfassen und Einschätzen findest Du in den Assessment-Beispielen für die Pflege.

Praktische Regel: Erkläre, was wahrscheinlich zu spüren ist, aber verspreche keine Schmerzfreiheit.

Was beim Ziehen im Gewebe passiert

Beim Entfernen kann die Patientin ein kurzes Ziehen oder Brennen spüren. Die Drainage verläuft durch einen Stichkanal, ist möglicherweise mit einer Naht fixiert und liegt an Gewebe an, das durch die Operation empfindlich sein kann. Beim Herausziehen lösen sich diese Kontaktstellen. Je nach Bauart und Sitz wirkt dabei Zug auf die Wundränder und das umliegende Gewebe.

Illustration des medizinischen Prozesses beim Ziehen einer Wunddrainage aus dem menschlichen Gewebe mit erklärenden Hinweisen.

Eine prospektive, randomisierte Studie am Marien-Hospital Düsseldorf untersuchte 80 Patientinnen und Patienten nach elektiver Hernienoperation. Verglichen wurde das Entfernen von Redon- und Schlitz-Saugdrainagen. Die in der Einleitung genannte Zugkraftdifferenz von 226 zu 25 Pond fiel zugunsten der Schlitzdrainage aus; der Unterschied war statistisch signifikant (p < 0,01). Ein p-Wert unter 0,01 bedeutet, dass ein solcher Unterschied unter der Annahme gleicher Zugkräfte selten zufällig zustande käme. Er sagt jedoch nicht voraus, wie stark eine einzelne Person den Vorgang spürt. Laut Studienbericht wurde das Entfernen der Redon-Drainage regelmäßig als schmerzhaft empfunden, Beschwerden bei der Schlitzdrainage waren selten. Beide Systeme dienten der Ableitung von Wundsekret.

Die Mechanik ernst nehmen

Die Untersuchung zeigt, dass neben dem Operationsgebiet auch die Bauart und die nötige Zugkraft für die Belastung beim Entfernen zählen. Ihre Ergebnisse lassen sich nicht automatisch auf jede Drainage übertragen. Für die Praxis ist dennoch klar: Widerstand beim Herausziehen sollte nicht mit stärkerem Zug beantwortet werden.

Bei ungewöhnlichem Widerstand oder starken Schmerzen den Vorgang unterbrechen und ärztlich Rücksprache halten. Vor dem Entfernen müssen die Anordnung, das Drainagematerial und der Zustand der Wunde berücksichtigt werden. Für die anschließende Versorgung bietet die Übersicht zur Wundversorgung in der Pflege einen fachlichen Rahmen.

Welche Drainagen mehr Schmerz verursachen

Nicht jede Drainage verursacht dieselbe Belastung. Entscheidend sind unter anderem Bauart, Lage, Fixierung und die Reaktion des Gewebes. Auch eine längere Liegedauer kann lokale Reizung verlängern. Eine konkrete Schmerzstärke lässt sich daraus für einzelne Patientinnen und Patienten jedoch nicht zuverlässig ableiten.

Eine Infografik zeigt Faktoren, die bei chirurgischen Drainagen zu einem erhöhten Schmerzempfinden beim Patienten führen können.

Eine randomisierte Studie der Universitätsmedizin Mannheim untersuchte 106 Patientinnen und Patienten nach offener Nierenteilresektion. Die Drainagegruppe berichtete auf der visuellen Analogskala durchschnittlich 1,6 ± 1,9 Schmerzpunkte, gegenüber 1,1 ± 1,4 bei der Gruppe ohne Drainage (p = 0,008). Auch die zusätzliche Analgesie lag in der Drainagegruppe höher, mit 0,61 ± 0,78 gegenüber 0,48 ± 0,78 (p = 0,034) (Studienergebnisse zur Drainage nach offener Nierenteilresektion). Die Ergebnisse beziehen sich auf den postoperativen Verlauf und beweisen nicht, dass jede Entfernung stark schmerzt. Sie zeigen aber, dass eine Drainage selbst eine zusätzliche Belastung sein kann.

Körperregion und Verfahren mitdenken

Am Thorax kann das Entfernen besonders schmerzhaft sein, weil Stichkanal, Interkostalmuskulatur und sensible Interkostalnerven gereizt werden können. Auch die Pleura und das Fadenmaterial können Zug ausgesetzt sein. Deshalb empfehlen deutsche klinische Fachinformationen, vor dem Entfernen einer Thoraxdrainage den Schmerz zu erfassen und eine ausreichende Analgesie zu berücksichtigen (Fachinformation zur Pleurasaugdrainage).

Dünnlumige Katheter und die Seldinger-Technik können im Allgemeinen weniger Gewebetrauma verursachen als traumatischere Einlageverfahren. Bei Thoraxdrainagen entscheidet das Team über den Entfernungszeitpunkt nicht anhand einer einzelnen Zahl: Lungenentfaltung, Luftleckage, Fördermenge, Sekretqualität, Atemsituation und Schmerzstatus gehören zusammen. Einen Überblick über die Eigenschaften und klinischen Aspekte bietet die Information zur Easy Flow Drainage am Bauch.

Ablauf beim Ziehen ohne böse Überraschung

Ein sicherer Ablauf beginnt nicht erst, wenn die Drainage gelöst wird. Zuerst prüfst Du, ob eine ärztliche Anordnung vorliegt, und schaust Dir den Förderverlauf, den Drainagetyp und den Wundstatus an. Die Entfernung ist in Deutschland grundsätzlich eine ärztliche Tätigkeit; die konkrete Zuständigkeit und Durchführung richten sich nach ärztlicher Verantwortlichkeit und hausinternem Standard. Die S1-Leitlinie zum postoperativen Wundmanagement empfiehlt, Drainagen streng zu indizieren, so kurz wie möglich zu belassen und möglichst geschlossene Saugsysteme einzusetzen.

Eine Infografik erklärt die vier Schritte zur schmerzarmen Entfernung einer Wunddrainage in einer medizinischen Einrichtung.

Vor dem Ziehen

Erfrage die aktuelle Schmerzstärke und kläre, ob die Patientin Angst vor dem Vorgang hat. Erkläre knapp, was Du oder die zuständige Ärztin gleich tun wird und welche Rückmeldung Du brauchst. Verordnete Analgesie muss so geplant werden, dass sie vor dem Eingriff ausreichend wirken kann. Bei einer Thoraxdrainage ist eine ausreichende Schmerzbehandlung besonders wichtig, und die Patientin sollte das vorgesehene Atemmanöver vorher kennen.

Während und direkt nach der Entfernung

Nach dem Lösen der Haltenaht wird die Drainage kontrolliert entfernt. Bei einer Thoraxdrainage erfolgt das Atemkommando nach ärztlicher Anweisung; direkt nach dem Entfernen wird die Austrittsstelle steril verschlossen. Ein ruhiges, kontrolliertes Vorgehen erleichtert die Beobachtung der Reaktion. Starker Schmerz, auffälliger Widerstand oder frische Blutung sind Gründe, nicht einfach weiterzuziehen, sondern zu stoppen und ärztlich abzuklären.

Das Video kann eine visuelle Ergänzung sein. Es ersetzt weder die ärztliche Anordnung noch die Vorgaben des Hauses.

Aseptisches Arbeiten und die anschließende Wundversorgung gehören zur sicheren Durchführung. Die Leitlinie zum postoperativen Wundmanagement nennt für die Entfernung als Regelfall 24 bis 48 Stunden, häufig in Verbindung mit einem Verbandwechsel. Das ist keine pauschale Anweisung für jede Operationsart; die konkrete Entscheidung bleibt vom Befund und der ärztlichen Planung abhängig (S1-Leitlinie zum postoperativen Wundmanagement).

Warnzeichen erkennen und richtig reagieren

Nach dem Ziehen meldet eine Patientin zunehmende Atemnot, der Schmerz im Brustkorb hält an. In dieser Situation zählt eine rasche Einschätzung, nicht die Annahme, Beschwerden seien eine normale Reaktion. Ein kurzes Zuggefühl oder Brennen kann vorkommen. Neuer oder stärker werdender Schmerz, deutliche Blutung und zunehmende Schwellung verlangen Aufmerksamkeit. Entscheidend sind Verlauf, Operationsgebiet und Begleitsymptome.

Thoraxdrainage und akute Veränderungen

Atemnot, anhaltender oder zunehmender Brustschmerz, bläuliche Verfärbung der Lippen oder Haut, Kreislaufinstabilität und auffällige Atemgeräusche nach dem Entfernen einer Thoraxdrainage müssen unverzüglich ärztlich abgeklärt werden. Ursache kann unter anderem ein erneuter Pneumothorax sein. Läuft der Vorgang noch, stoppe und folge dem klinikinternen Eskalationsweg.

Bei starken Schmerzen oder spürbarem Widerstand nicht weiterziehen. Sichere die Situation, informiere die zuständige Ärztin oder den zuständigen Arzt und schildere konkret, was sich verändert hat: Schmerzverlauf, Atmung, Blutung und Zustand der Austrittsstelle.

Sofort eskalieren: Atemnot, anhaltender Brustschmerz, bläuliche Verfärbung, Kreislaufinstabilität oder auffällige Atemgeräusche nach dem Ziehen.

Wunde und Allgemeinzustand beobachten

Nach anderen Operationen gehören zunehmender Schmerz, deutliche Schwellung, anhaltende Nachblutung, Fieber oder eine gerötete, überwärmte Wunde zeitnah medizinisch beurteilt. Auch der Verdacht, ein Schlauchstück sei zurückgeblieben, muss gemeldet werden. Bei Brustoperationen sollen starke oder zunehmende Schmerzen sowie anhaltende Nachblutung oder Schwellung umgehend dem Behandlungsteam mitgeteilt werden.

Die Entfernung hängt von Drainagetyp, Operationsart und klinischem Befund ab, nicht allein von der Fördermenge. Bei Unsicherheit, ob eine Drainage zu früh entfernt wurde, bieten die Informationen zu einer zu früh entfernten Drainage nach einer Operation eine Orientierung. Sie ersetzen keine ärztliche Beurteilung.

Nachsorge und Dokumentation

Nach dem Ziehen bleibt die Beobachtung wichtig. Prüfe die Austrittsstelle und den Verband, achte auf die Atmung und frage nach dem Schmerz. Erkläre der Patientin, welche Beschwerden sie beobachten und bei welchen Veränderungen sie das Behandlungsteam kontaktieren soll. Die Liegedauer und Fördermenge sind dabei im Zusammenhang mit Eingriff, Drainagetyp und klinischem Befund zu beurteilen.

Nach Brustoperationen kann ein lokaler Entfernungszeitpunkt an bestimmte Fördermengen geknüpft sein. Solche Vorgaben gelten für den jeweiligen Behandlungskontext und lassen sich nicht pauschal auf andere Eingriffe oder Drainagen übertragen. Entscheidend sind die ärztliche Anordnung und der Zustand der Patientin.

Was in die Dokumentation gehört

Halte Förderverlauf und Beschaffenheit des Sekrets vor der Entfernung fest. Dokumentiere außerdem Schmerz vor und nach dem Ziehen, den Zustand der Austrittsstelle und wie die Patientin den Vorgang vertragen hat. Vermerke auch aufgetretene Beschwerden sowie getroffene ärztliche Absprachen. So kann das nächste Teammitglied den Verlauf nachvollziehen und Entscheidungen darauf abstimmen.

Die Aufklärung unterstützt eine gezielte Rückmeldung: Wer weiß, was beim Ziehen spürbar sein kann und welche Veränderungen gemeldet werden sollen, kann Beobachtungen genauer beschreiben. Eine strukturierte Dokumentation in der Pflege hält diese Informationen für das Behandlungsteam fest und unterstützt die kontinuierliche Betreuung.

Gut vorbereitet mit P1-Medical in den Einsatz

Drainageziehen verlangt Fachkenntnis, eine ruhige Erklärung und den Mut, Schmerz nicht kleinzureden. Für Pflegefachkräfte und MFA ist es wichtig, in einem Umfeld zu arbeiten, in dem klare Zuständigkeiten und gute Kommunikation zum Alltag gehören.

P1-Medical vermittelt Pflege- und pädagogische Fachkräfte in Festanstellungen in der Arbeitnehmerüberlassung sowie in direkte Vermittlungen. Zum Angebot gehören flexible Arbeitsmodelle, eine vertraglich fixierte Netto-Garantie, Dienstwagenoptionen und individuelle Mitsprache bei Einsatzort und Einsatzdauer. Über den P1-Pflegecampus stehen mehr als 100 praxisnahe E-Learning-Fortbildungen bereit; Weiterbildungszeit gilt als vergütete Arbeitszeit.

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